Münzstätten
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- Name: Bisanthe
- Moderner Name: -
- Nomisma-ID: bisanthe
- Nomisma-Region: the_european_coast_of_the_propontis
Inhalt
Verknüpfte Datensätze
Prägesystem und Typologie
Das an der Propontis gelegene Bisanthe (heute Rodosto bzw. Tekir-dağ) ist, wie das nahegelegene Perinth, eine Gründung der Samier.1 Die schriftlichen Quellen erwähnen die Stadt erstmals für 430 v. Chr.2 Sie gehörte zum Delisch-Attischen Seebund, danach zum Alexander- und Diadochenreich. In nach-lysimacheischer Zeit war sie, den städtischen Prägungen nach zu urteilen, relativ autonom. Allerdings wurde nur in Bronze emittiert, und nur über einen offenbar homogenen Zeitraum im 3. Jh. v. Chr. Eine chronologische Binnengliederung der Gepräge lässt sich nicht vornehmen, weshalb E. Schönert-Geiss zunächst eine Ordnung nach Gewichten vornahm und in die drei Gruppen Nominal A, B und C schied.3 Diese dürften nach E. Schönert-Geiss die Relation 1:2:4 (1 Münze Nominal A = 2 Münzen Nominal B = 4 Münzen Nominal C) repräsentieren.4 Diesen Nominalstufen sind bislang insgesamt 14 Typen zugeordnet, die sie nach der Ikonographie ihrer Vorder- und Rückseiten benannte. In mehreren Fällen sind die Typen jedoch nur mit einem Stück belegt, so dass deren Zuordnung zu den Nominalen auf einer extrem dünnen Grundlage erfolgt – erst weitere Stücke könnten die Zuordnung be- oder widerlegen. Vorrangig gruppierte E. Schönert-Geiss wohl ausgehend vom Durchmesser der Stücke, nicht vom Gewicht her;5 doch sind ihre Zuordnungen in Einzelfällen durchaus diskutabel.
Ob die Münzen Bisanthes zeitgleich emittiert wurden oder sukzessive, lässt sich aus dem Material nicht sicher erschließen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die Serien gleichzeitig hergestellt worden sind.6 Die Gründe dafür sind ikonographischer Art: Auf den Prägungen werden die Götter Dionysos7, Demeter8, Zeus9, Apollon10 und Athena11 geehrt. Vermutlich wurden daher nicht erst nur drei Typen – je einer pro Nominalstufe – herausgegeben, sondern zumindest so viele, dass jede der in Bisanthe in Ansehen stehenden Gottheiten auf Münzen repräsentiert wurde.12
Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.
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ISAAC 1986. ↑
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Hdt. 7.137. ↑
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Schönert-Geiss 1975. A: CN_Type644; CN_Type645; CN_Type646; B: CN_Type647; CN_Type648; CN_Type653; C: CN_Type655; CN_Type708; CN_Type710; CN_Type727; CN_Type716; CN_Type2032; CN_Type754; CN_Type3826. ↑
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Nicht überzeugt hat sie damit Martin Jessop Price: „… lacks conviction“. Price 1977, 237–238, hier 238. ↑
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Vgl. z. B. CN_Type653 = Dionysos/Traube-Serie in Nominal B mit 1,72 g ist nur unwesentlich leichter als CN_Type716 = Dionysos/Traube-Serie in Nominal C mit 1,49 g. In Nominal B hat die Münze einen Durchmesser von 12–15 mm, in Nominal C von 11–13 mm. Hier liegt eine Schnittmenge vor (12 und 13 mm). Zugrunde liegt jeweils nur ein Exemplar. ↑
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Hoover 2017, 67–68, datiert den Zeus-Adler-Typ in die Jahre 178–168 v. Chr., den Athena-Eule-Typ in die Jahre 145–133 v. Chr. und den Dionysos-Traube-Typ sowie den Dionysos-Kantharos-Typ ins 2. Jh. v. Chr. ↑
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Hoover 2017: 12 Typen. ↑
Bibliographie
- Hoover 2017 = O.D. Hoover, Handbook of Coins of Macedon and Its Neighbors. Part II: Thrace, Skythia, and Taurike, Sixth to First Centuries BC, The Handbook of Greek Coinage Series 3 (Lancaster/London 2017), S. 66-69.
- Isaac 1986 = B. Isaac, The Greek Settlements in Thrace until the Macedonian Conquest (Leiden 1986), S.212-213.
- Jurukova 1992 = J. Jurukova, Monetite na trakijskite plemena i vladeteli [Монетите на тракийските племена и владетели] (Sofia 1992), S. 144.
- Schönert-Geiss 1975 = E. Schönert-Geiss, Die Münzprägung von Bisanthe, Dikaia, Selymbria (Berlin 1975).
- Kurz 1979 = K. Kurz, Metodické Poznámky k nové literatuře o řecké numismatice,Numismatické Listy 34 Nr. 3, 1979, 79-81.
- Price 1977 = M. J. Price, Numismatic Chronicle, 1977, 237-238.
- Schönert-Geiss 1999 = E. Schönert-Geiss, Bibliographie zur antiken Numismatik Thrakiens und Mösiens (Berlin 1999), S. 629-634.