Münzstätten
-
- Name: Augusta Traiana
- Moderner Name: Stara Zagora
- Nomisma-ID: augusta_trajana
- Nomisma-Region: inland_cities_of_thrace
Inhalt
- Topographie und Geschichte
- Forschungsstand
- Prägeablauf und Metrologie
- Chronologie
- Besonderheiten der Prägung
- Bibliographie
- Auf der Karte anzeigen
Verknüpfte Datensätze
Topographie und Geschichte
Augusta Traiana, das heutige Stara Zagora, ist eine thrakische Binnenstadt, die am südlichen Hang des Sredna-Gora-Gebirges, einer kleinen, dem eigentlichen Balkangebirge vorgelagerten Gebirgskette, gelegen ist.1 Vor diesem Gebirge befindet sich eine fruchtbare Tiefebene, die von zwei bedeutenden Flüssen, dem Hebros und dem Tonzos, durchzogen wird.2 Augusta Traiana war verkehrstechnisch günstig angebunden und profitierte von ihrer Nähe zu den zwei Hauptverkehrsadern, die die Balkanhalbinsel durchzogen.3 Erste Siedlungsspuren auf dem Territorium des späteren Augusta Traiana lassen sich bis ins Neolithikum zurückverfolgen.4 Vorläufer der Stadt Augusta Traiana könnte das thrakische Beroia gewesen sein, eine Gründung des Makedonenkönigs Philipp II.5 die Identität von Beroia und dem späteren Augusta Traiana ist allerdings umstritten.6
Augusta Traiana wurde als römische Provinzstadt im Zuge der Urbanisierungspolitik Trajans gegründet.7 Den Namen Augusta Traiana erhielt die Stadt unter Hadrian zu Ehren seines Vorgängers. Inschriftlich sind weiterhin auch die Namensformen ἡ Tραιανέων πόλις sowie ἡ βουλὴ καὶ ὁ δῆμος Τραιανέων tradiert.8 Im zweiten und dritten nachchristlichen Jahrhundert erreichte Augusta Traiana seinen zivilisatorischen Höhepunkt. Generell war die Romanisierung in Augusta Traiana ausweislich des epigraphischen und numismatischen Befundes in der hohen Kaiserzeit relativ stark ausgeprägt;9 lokale thrakische Einflüsse scheinen weniger relevant gewesen zu sein, als dies in anderen thrakischen Städten der Fall war,10 was nicht zuletzt in der straffen Regulierung der städtischen Verwaltung seinen Niederschlag findet.11
Ein geschichtlich bedeutendes Ereignis, das mit Augusta Traiana assoziiert wird, ist die Schlacht von Traianus Decius gegen die Goten im Jahr 251 n. Chr., in der der Kaiser und sein Sohn ums Leben kamen.12 In der Spätantike blieb Augusta Traiana trotz Plünderungen durch die Goten nach der Niederlage von Valens bei Hadrianopolis eine bedeutende Stadt.13 In byzantinischer Zeit hielt Augusta Traiana zahlreichen Barbareneinfällen stand und wurde schließlich unter Kaiserin Irene neu befestigt, nach der sie fortan in Eirenopolis umbenannt wurde.14
-
Schönert-Geiss 1991, 3. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 3. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 3. Zur Lage von Augusta Traiana im Straßennetz siehe Itin. Ant. 231; Tab. Peut. VIII (s. v. Berone). ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 4. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 4; Varbanov (vol. II) 2005, 118. ↑
-
Zu dieser Forschungskontroverse siehe Gočeva 1998, 271; Schönert-Geiss 1991, 4. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 5. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 5. ↑
-
Gočeva 1998, 277. ↑
-
Gočeva 1998, 277. ↑
-
Gočeva 1998, 277. ↑
-
Varbanov (vol. II) 2005, 118; Oberhummer 1899, Sp.306. ↑
-
Varbanov (vol. II) 2005, 118; Oberhummer 1899, Sp.306. ↑
-
Oberhummer 1899, Sp.306. ↑
Forschungsstand
Die Münzprägung von Augusta Traiana wurde intensiv von E. Schönert-Geiss untersucht, die in der Reihe Griechisches Münzwerk einen Stempelkatalog zur Münzprägung von Augusta Traiana und Traianopolis erstellte. Dieser Katalog wurde in der maßgeblichen Rezension von E. Meyer (Gnomon, Bd.66, H.7, 608-611) mit wenigen Abstrichen15 positiv bewertet und bildet auch die Grundlage unseres Typenkatalogs.
Ergänzend zum Corpusband von E. Schönert-Geiss wurden in unserem Typenkatalog auch Typen berücksichtigt, die von den beiden Münzsammlern K. Madžarov und A. Chadžikostov jeweils in einem Beitrag des von U. Peter anlässlich des 65. Geburtstags von E. Schönert-Geiss herausgegebenen Sammelbandes Stephanos nomismatikos zusammengetragen wurden.16 Weiterhin leistete auch M. Minkova in ihrem Beitrag Supplementum at the coinage of Augusta Traiana einen wichtigen Beitrag zur Vervollständigung der Münztypen Augusta Traianas. Hinzu kommen einige wenige bislang unpublizierte Münztypen aus den Münzauktionen.
-
Kritik etwa an der Verwendung der fiktiven Nominalstufen („Einer“, „Zweier“ usw.), an einzelnen Versuchen der Stempelkoppelungs-Datierung, an der Nichtabbildung einiger Münzen mit schlechtem Erhaltungszustand, an der etwas strittigen Zuordnung der Münzen Valerians zu Augusta Traiana sowie an der „doppelten Interpretation“ von Münzbildern. Meyer 1994, 609-611. ↑
-
Madžarov 1998, 441-448; Chadžikostov 1998, 193-197; Minkova 2000, 703-705. ↑
Prägeablauf und Metrologie
Die Münzprägung in Augusta Traiana begann unter Marcus Aurelius und endete etwa ein Jahrhundert später unter Gallienus.17 In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. lässt sich eine längere Prägelücke verzeichnen.
Augusta Traiana prägte Münzen in insgesamt sechs Nominalen, wobei sich die Nominalbezeichnungen in unserem Typenkatalog an den Bezeichnungen im Corpusband von E. Schönert-Geiss orientiert.18 Dem kleinsten Nominal gehören die wenigen pseudoautonomen Münzen an (Ø: 12.5-14mm; Gewicht: 1.5-2g).19 E. Schönert-Geiss ordnet diese Münzen dem Nominal „Halbstücke“ zu, zieht aber auch den Begriff „Viertelstücke“ in Erwägung.20 Zu den kleinen Nominalen zählen Einer (Ø: 16-20 mm; Gewicht: 1.5-6 g), Eineinhalbstücke (Ø: 16-21 mm; Gewicht: 3-5 g) und Dreier (Ø: 23-26 mm; Gewicht: 6-9 g). Die unter Gallienus geprägten Vierer (Ø: 23-25 mm; Gewicht: 5-14 g) sind aufgrund des teilweise hinzugefügten Wertzeichens Δ gesichert.21 Als großes und geläufigstes Nominal gilt der Fünfer (Ø: 28-31 mm; Gewicht: 13.5-21 g). Sowohl Größe als auch Gewicht der verschiedenen Nominale nahmen gegen Ende des 2. Jahrhunderts erheblich ab.22 Medaillons wurden in Augusta Traiana nicht geprägt.
-
Minkova 2000, 703; Schönert-Geiss 1991, 7. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 17-21. Die Beanstandungen von E. Meyer an der Verwendung fiktiver Nominalstufen haben wir zur Kenntnis genommen, halten es aber dennoch für sinnvoll, zunächst einmal an den Nominalbezeichnungen von E. Schönert-Geiss festzuhalten. Meyer 1994, 610f. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 17. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 19. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 20. ↑
Chronologie
Zur Regierungszeit des Marcus Aurelius prägte Augusta Traiana noch eine überschaubare Anzahl an Münztypen. Auf dem Avers dieser Münztypen ist das Porträt von Marcus Aurelius, Lucius Verus oder Faustina Minor dargestellt. In der Revers-Legende der großen Nominalen wird der Statthaltername Quintus Tullius Maximus23 genannt. Auf den Einern werden überwiegend traditionelle Bildmotive verwendet: Es begegnen unter anderem der Flussgott,24 verschiedene Schlangendarstellungen25 sowie die auch sonst auf thrakischen Münzen gängigen Götter,26 doch auch die drei Chariten waren ein beliebtes Bildmotiv.27 Daneben werden aber auch außergewöhnliche Reversmotive verwendet: Ein Münztyp zeigt einen schlafenden Hermaphroditen,28 zwei weitere Münztypen eine tanzende Mänade.29 Auffälligerweise wiederholen sich zahlreiche Bildmotive auf den kleinen Nominalen des Marcus Aurelius und des Lucius Verus. Auf den Reversen der Münzen mit Faustina auf dem Avers werden fast ausschließlich weibliche Gottheiten abgebildet.30
Unter Commodus emittierte Augusta Traiana Münzen in unterschiedlichen Nominalen: zwei Fünfer mit Statthalternamen auf dem Revers zeigen als Bildmotive Artemis in einer Hirschbiga31 sowie das Stadttor von Augusta Traiana.32 Auf dem einzigen uns bekannten Vierer ist ein Athlet mit einer Loskugel in der Rechten dargestellt.33 Ein unter Commodus geprägter Dreier zeigt Artemis auf dem Revers.34 Auf den kleinen Nominalen werden unterschiedliche Bildmotive verwendet, die zumindest teilweise auch aus dem Artemis-Mythos entlehnt zu sein scheinen. Auf den Reversen der wenigen Typen, die für Crispina emittiert wurden, sind die drei Chariten,35 das Stadttor36 und ein Dreifuß, um den sich eine Schlange windet,37 abgebildet.
Die Münztypen aus der Regierungszeit des Septimius Severus zeigen entweder den Kaiser oder Iulia Domna oder einen der beiden Kaisersöhne Caracalla und Geta auf dem Avers. In der Revers-Legende der Fünfer mit dem Porträt des Septimius Severus auf dem Avers werden teils Statthalternamen (Titus Statilius Barbarus38 und Quintus Sicinnius Clarus Pontianus39) genannt, teils wird allerdings auch nur der Stadtname angegeben. Beim einzigen unter Septimius Severus geprägten Dreier ist eine vierfach gewundene Schlange auf dem Revers dargestellt,40 ein durchaus häufiges Bildmotiv in Augusta Traiana. Auf den unter Septimius Severus geprägten Einern sind Tierdarstellungen,41 aber auch geläufige Götterdarstellungen verbreitet. Ein Vierer mit dem Brustbild von Iulia Domna auf dem Avers verdient besonderes Interesse: Auf der Rückseite ist der Kaiser in einer Quadriga dargestellt; in seiner Linken hält er den Globus.42 Dies ist insoweit interessant, als dass zumindest in der Reichsprägung des Septimius Severus Triumphaldarstellungen immer nur auf den Rückseiten von Münzen, die für seine Söhne geprägt wurden, begegnen.
Sehr große Typenvielfalt herrscht bei den Münzen vor, deren Avers Caracalla oder Geta zeigt. Dieselben Reversmotive treten immer wieder in Erscheinung, wobei insbesondere durch die Kopplung mit verschiedenen Büstenformen und Avers-Legenden Varianz erlangt wird. In den Revers-Legenden einiger weniger Fünfer des Caracalla wird ebenfalls der Name des Statthalters Quintus Sicinnius Clarus Pontianus genannt, was eine Datierung ins Jahr 202 n. Chr. ermöglicht, auf dem Großteil der Fünfer ist hingegen lediglich der Stadtname in der Legende angegeben.43 Die Revers-Motive stammen großteils aus dem auch sonst gängigen Repertoire an Götter-, Architektur- und Herrscherdarstellungen sowie an geläufigen Personifikationen. In der Münzprägung des Caracalla scheint die Miteinbeziehung der Nike in die kaiserliche Repräsentation eine zentrale Rolle gespielt zu haben.44 Unter Geta ist die Vielzahl an Münztypen mit Nemesis-Darstellungen bezeichnend.45
Die in der älteren Forschung fälschlicherweise Elagabal zugeordneten Münzen sind tatsächlich Caracalla zuzuordnen. Ein Münztyp, den I. Varbanov für Severus Alexander anführt,46 stammt aus der Zeit des Septimius Severus, wie der Statthaltername in der Revers-Legende nahelegt. Die Zuordnung eines Münztyps aus der Regierungszeit Valerians47 zu Augusta Traiana ist zwar ebenfalls strittig,48 wird aber mangels überzeugender Alternativen in unserer Typologie analog zu E. Schönert-Geiss übernommen.49 Das Avers dieses Münztyps zeigt das Kaiserporträt mit Strahlenkrone und Panzer, das Revers den Kaiser auf einem Pferd mit erhobener Rechten und mit einem Tropaion im linken Arm.
Auf den Aversen der zur Regierungszeit des Gallienus emittierten Vierer ist das Kaiserporträt mit Strahlenkrone dargestellt. Die Umschrift auf dem Avers lautet teils ΓΑΛΛΙΗΝΟC ΑVΓ teils ΑVΤ ΓΑΛΛΙΗΝΟϹ. Eine Besonderheit stellt die Nominalangabe auf einem Teil der Vierer durch ein kleines Δ im rechten oder linken Feld des Revers dar. Was die Bildmotive auf dem Revers anbelangt, überwiegen klassische Götterdarstellungen, wobei sich eine Präferenz des Demeter-50 und Dionysoskults51 konstatieren lässt. Dionysos wird nicht mit Kantharos, sondern mit Patera in der Rechten und Thyrsos in der Linken abgebildet; sein Attributtier, der Panther, fehlt bei diesen Münztypen.
-
PIR T 386. ↑
-
CN_Type1681; CN_Type1683; CN_Type1684; CN_Type1723; CN_Type1725; CN_Type1727. ↑
-
Dionysos: CN_Type1685; CN_Type1719; CN_Type1720. Hygieia: CN_Type1687; CN_Type1726. Asklepios: CN_Type1688; CN_Type1717. Tyche: CN_Type1691; CN_Type1718. Zeus: CN_Type2366. Hermes: CN_Type1729. ↑
-
Artemis: CN_Type1697; CN_Type1698. Demeter: CN_Type1699; CN_Type1701. Stadtgöttin: CN_Type1700; CN_Type1705. Nemesis: CN_Type1702. Chariten: CN_Type1703. ↑
-
CN_Type1731. Mangels anderer Beweise muss dahingestellt bleiben, ob die Darstellung eines Athleten als Hinweis für sportliche Wettkämpfe in Augusta Traiana zur Zeit des Commodus zu interpretieren ist. Schönert-Geiss 1991, 51. ↑
-
PIR S 819. Die Münzen mit dem Statthalternamen des Titus Statilius Barbarus datieren nach E. Schönert-Geiss in die Jahre 196 bis 198 n. Chr. Siehe Schönert-Geiss 1991, 8. ↑
-
PIR S 699. Die Münzen mit dem Statthalternamen des Quintus Sicinnius Clarus Pontianus datieren nach E. Schönert-Geiss in das Jahr 202. Siehe Schönert-Geiss 1991, 8. ↑
-
Adler: CN_Type1801. Löwe: CN_Type1783. Schlange: CN_Type1799; CN_Type1800. ↑
-
Diese Fünfer wurden in der älteren Forschung fälschlicherweise Elagabal zugeordnet. Diese falsche Zuordnung ist auch bei I. Varbanov (mit entsprechendem Hinweis) vermerkt: Varbanov 2005, 113f., Nr. 1372-1385. E. Schönert-Geiss konnte diese Zuweisung allerdings anhand der Stempelkopplungen falsifizieren. Siehe insbesondere Schönert-Geiss 1991, 10. ↑
-
Kaiser von Nike bekränzt: CN_Type1826; CN_Type1828; CN_Type1871; CN_Type2023. Kaiser hält Nike in der Hand: CN_Type1869; CN_Type2012; CN_Type2028. Nike mit Kranz und Palmzweig: CN_Type1876. Zeus hält Nike: CN_Type2022 ↑
-
CN_Type2081; CN_Type2102; CN_Type2103; CN_Type2191; CN_Type2192; CN_Type2214. ↑
-
Varbanov 2005, 114, Nr. 114. ↑
-
Meyer 1994, 610. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 195, Nr.505. ↑
Besonderheiten der Prägung
Ganz allgemein finden sich in Augusta Traiana einige Bildmotive, die für Thrakien weitgehend singulär sind und über das ausgeprägte Kunstbewusstsein der Stempelschneider in Augusta Traiana beredtes Zeugnis ablegen.52 Singuläre beziehungsweise äußerst seltene Bildkompositionen sind etwa die tanzende Mänade,53 Europa auf einem Stier,54 ein zurückblickender Hirsch,55 der womöglich als Aktaion-Darstellung zu interpretieren ist,56 ein liegender Hermaphrodit,57 sowie ein Baum mit den Attributen der Artemis.58
Weiterhin ist die Vielzahl an Kaiserdarstellungen in Augusta Traiana bemerkenswert. Ein unter Geta geprägter Münztyp zeigt den Kaiser in der Schlacht.59 Auf einer Vielzahl an Münzen ist der Kaiser in unterschiedlichen Varianten nach der Schlacht als Sieger dargestellt oder es wird generell die Sieghaftigkeit des Kaisers akzentuiert.60 Weiterhin gibt es Typen, bei denen der Kaiser zu Pferde bei der Jagd dargestellt wird.61 Auch die Darstellung des Kaisers beim Opfer erfreut sich großer Beliebtheit.62 Einige Typen zeigen den Kaiser und ein weiteres Mitglied des Kaiserhauses einander gegenüberstehend und sich die Rechte reichend,63 also eine klassische Darstellung einer dextrarum iunctio. Bezeichnend ist ferner ein Münztyp Getas, auf dem der Kaiser und die Stadtgöttin einander die Hand reichen.64 Auf einigen unter Valerian geprägten Münzen ist der Kaiser, sofern die Zuordnung zu Augusta Traiana zutrifft,65 mit erhobener Rechten und mit einem Tropaion im Arm dargestellt.66
Besondere Beachtung verdienen auch die Stadttor-Darstellungen von Augusta Traiana.67 Auf einigen Münztypen ist ein Flussgott68 vor einer Anhöhe dargestellt, auf der sich eine Befestigungsanlage befindet.69 Offensichtlich legte Augusta Traiana großen Wert auf seinen Mauerbau.70 Weiterhin sind die unterschiedlichen architektonischen Formen bei Tempeldarstellungen bezeichnend: Neben tetrastylen Podiumstempeln71 sind auch distyle Rundtempel respektive Tempelbogen72 vertreten. Einige Typen zeigen einen tetrastylen Rundtempel auf einem sehr hohen Sockel mit darin befindlicher Kultstatue der Artemis.73
Gerade Artemis erfreute sich in Augusta Traiana großer Beliebtheit, was für eine Affinität der Bevölkerung Augusta Traianas zur Jagd spricht. Dies nimmt nicht wunder, zumal in den Artemis-Darstellungen eine thrakische Lokalgottheit namens Bendis, die ebenfalls mit der Jagd assoziiert wurde, rezipiert wird. Neben den Tempel-Darstellungen mit Kultstatue der Artemis wird die Jagdgöttin häufig in der auch sonst üblichen Art im kurzen, flatternden Chiton im Rennen dargestellt, wobei sie in einer Hand einen Bogen hält und mit der anderen einen Pfeil aus dem Köcher an ihrem Rücken zieht.74 Ein unter Commodus geprägter Münztyp zeigt Artemis in einer Hirschbiga,75 ein weiterer zeigt einen zurückblickenden Hirsch, der womöglich als Aktaion zu interpretieren ist und somit ebenfalls in den Artemis-Mythos zu verorten ist.76 Auf einem Münztyp aus der Regierungszeit des Septimius Severus sind Artemis und Apollon einander zugewandt dargestellt.77 Bemerkenswert ist auch der genannte, nicht bei E. Schönert-Geiss publizierte Münztyp aus der Regierungszeit des Commodus, auf dessen Revers ein Baum mit den Attributen der Artemis (Bogen, Köcher, Jagdhund) zu erkennen ist.78 Weiterhin zeigen zwei Münztypen Artemis mit einer Fackel,79 was in Thrakien ein durchaus geläufiges Attribut der Artemis war.80 Auch die Münztypen mit einer Mondsichel und einer unterschiedlichen Anzahl an Sternen auf dem Revers könnte eine Anspielung an Artemis in ihrer Funktion als Mondgöttin sein.81
Ferner spiegeln sich auch östliche Religionseinflüsse in den Bildmotiven von Augusta Traiana wieder. Insbesondere der Kybele-Kult erfreute sich großer Beliebtheit.82 Die ägyptischen Gottheiten sind vereinzelt in der Münzprägung von Augusta Traiana präsent,83 scheinen aber im Vergleich zu anderen thrakischen Städten von eher untergeordneter Bedeutung gewesen zu sein.84 So ist es durchaus bezeichnend, dass Isis-Darstellungen bislang für keine einzige Münze aus Augusta Traiana nachgewiesen werden konnten.
Einige Besonderheiten weisen auch die Legenden der Münztypen aus Augusta Traiana auf. In der Rückseitenlegende wird im Unterschied zu den meisten anderen griechischen Städten nicht das Ethnikon, sondern der Stadtname angeführt.85 Dieser wird auf den unter Gallienus geprägten Vierern mitunter in verschiedenen Variationen abgekürzt. In den Legenden treten gelegentlich Ligaturen auf, wobei die Ligatur von N und H sowie von H und C im Stadtnamen am geläufigsten ist. Insbesondere beim Stadtnamen, aber auch bei einigen Bestandteilen von Avers-Legenden fallen immer wieder markante Schreibfehler auf,86 bei denen es sich wohl einerseits um Flüchtigkeitsfehler, andererseits um klassische Hörfehler handelt.87
Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.
-
Minkova 2000, 704. ↑
-
CN_Type2354. Dieses insgesamt sehr selten verwendete Bildmotiv ist in Byzantion mehrfach belegt. Beispiele: CN_Type7881; CN_Type7896; CN_Type7897. ↑
-
Chadžikostov 1998, 194, Corp. Nr.3; Minkova 2000, 703. ↑
-
CN_Type1714; CN_Type1758; CN_Type1769; CN_Type1814; CN_Type1826; CN_Type1828; CN_Type1869; CN_Type1871; CN_Type1872; CN_Type2012; CN_Type2023; CN_Type2028; CN_Type2097; CN_Type2136; CN_Type2137; CN_Type2227; CN_Type2233; CN_Type2371. ↑
-
CN_Type1757; CN_Type1809]; CN_Type1827; CN_Type1879; CN_Type2260. ↑
-
Hierzu Meyer 1994, 610. ↑
-
CN_Type1674; CN_Type1704; CN_Type1708; CN_Type1716; CN_Type1737; CN_Type1745; CN_Type1754; CN_Type1759; CN_Type1763; CN_Type1783; CN_Type1792; CN_Type1833; CN_Type1853; CN_Type914]; CN_Type1920; CN_Type1924; CN_Type2062; CN_Type2104; CN_Type2421; CN_Type2423. ↑
-
Die Identität des Flussgottes ist umstritten. Hierzu Schönert-Geiss 1991, 44. ↑
-
CN_Type1675; CN_Type1753; CN_Type1910; CN_Type1940; CN_Type2212. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 44. ↑
-
CN_Type1785; CN_Type1806; CN_Type1813; CN_Type1856; CN_Type1925; CN_Type1927; CN_Type1931; CN_Type1935; CN_Type1970; CN_Type2021; CN_Type2105; CN_Type2269. ↑
-
CN_Type1784; CN_Type1835; CN_Type1854; CN_Type1928; CN_Type2408. ↑
-
CN_Type1697; CN_Type1698; CN_Type1732; CN_Type1802; CN_Type1818; CN_Type1884; CN_Type2065; CN_Type2069; CN_Type2208; CN_Type2271; CN_Type2429. ↑
-
CN_Type1743. Die Münze stammt aus der Sammlung von K. Madžarov. Siehe Madžarov 1998, 442, Nr.1. Auch publiziert bei Minkova 2000, 704. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 47. ↑
-
CN_Type1728; CN_Type1795; CN_Type2080; CN_Type2092. Siehe auch Schönert-Geiss 1991, 47. ↑
-
Kybele thronend: CN_Type1669; CN_Type1707; CN_Type1751; CN_Type1780; CN_Type1843; CN_Type2230. Kybele auf einem Löwen: CN_Type2368. ↑
-
Serapis: CN_Type1785; CN_Type1822; CN_Type1856; CN_Type1970; CN_Type2020; CN_Type2361. Harpokrates: CN_Type2059; CN_Type2070; CN_Type2361. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 50. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 22. ↑
-
z.B. CN_Type1669; CN_Type1702; CN_Type1723; CN_Type2396. ↑
-
Schönert-Geiss 1991, 22. ↑
Bibliographie
- Chadžikostov 1998 = A. Chadžikostov, Neue Münztypen von Augusta Traiana, in: U. Peter (Hrsg.), Stephanos nomismatikos. Edith Schönert-Geiss zum 65. Geburtstag, Griechisches Münzwerk (Berlin 1998) 193–197.
- Gočeva 1998 = Z. Gočeva, Organisation des Religionslebens in Augusta Traiana, in: U. Peter (Hrsg.), Stephanos nomismatikos. Edith Schönert-Geiss zum 65. Geburtstag, Griechisches Münzwerk (Berlin 1998) 271–278.
- Madžarov 1998 = K. Madžarov, Unpublizierte Münztypen der Prägestätte Augusta Traiana, in: U. Peter (Hrsg.), Stephanos nomismatikos. Edith Schönert-Geiss zum 65. Geburtstag, Griechisches Münzwerk (Berlin 1998) 441–448.
- Meyer 1994 = E. Meyer, Rezension zu E. Schönert-Geiss, Die Münzprägung von Augusta Traiana und Traianopolis, in: Gnomon 66, 1994, 608–611.
- Minkova 2000 = M. Minkova, Supplementum at the coinage of Augusta Traiana, in: B. Kluge/B.Weisser (Hrsgg.), XII Internationaler Numismatischer Kongress Berlin 1997. Akten – Proceedings – Actes I (Berlin 2000), 703–705.
- Oberhummer 1899 = E. Oberhummer, Beroia, in: RE III 1, 1899, 306–307.
- Schönert-Geiss 1991 = E. Schönert-Geiss, Die Münzprägung von Augusta Traiana und Traianopolis, Griechisches Münzwerk 31 (Berlin 1991).
- Varbanov (vol. II) 2005 = I. Varbanov, Greek Imperial Coins. And their Values, vol. 2: Thrace. From Abdera to Pautalia (Bourgas 2005).