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Die Münztypologie von

Alopekonnesos

Topographie und Geschichte

Alopekonnesos wird auf der Westseite der thrakischen Chersones ungefähr in deren Mitte bei der markanten, heute Suvla genannten Bucht lokalisiert.1 An der Westküste der Halbinsel prägte neben dieser Stadt nur Kardia Münzen. Ihre Lage machte Alopekonnesos zu einem der Häfen für Kornexporte von der Chersones zum thrakischen Festland. Die Stadt wurde von Athenern oder nach anderen Quellen von Äoliern2 gegründet und gilt als Mutterstadt von Ainos; das Gründungsdatum ist umstritten.3 Der im Stadtnamen angeführte Fuchs geht nach Stephanos von Byzanz auf ein Gründungsorakel zurück, dort zu siedeln, wo junge Füchse zu entdecken sind.4 Der Stadtname schlägt sich auch im Münzbild nieder, das teilweise als Hauptbild, teilweise als Beizeichen im Sinne eines sprechenden Bildes einen Fuchs (griech. ἀλώπηξ) verwendet.

Die Stadt ist in den attischen Tributlisten des 5. Jahrhundert v. Chr. vertreten,5 und es gibt archäologische Funde aus diesem Zeitraum.

  1. Lokalisierung im Norden der Suvla Bay oder südlich der Bucht auf einem Kap, das heute Küçük Kemikli Burnu genannt wird. ↑

  2. Skyl. 67; Skymn. 705; Dem. XXIII 166. XVIII 92; Strab. VII 333 fr. 52; Steph. Byz. Liv. XXXI 16; Mela II 27. ↑

  3. Isaac 1986, 161 und 190: zweite Hälfte 7. Jh. v. Chr. oder erste Hälfte 6. Jh. v. Chr. ↑

  4. So Head, Historia Nummorum (1887) 223, ohne die genaue Textstelle bei Stephanos zu nennen. ↑

  5. Alopekonnesos zahlt als einzige Stadt der Chersones alleine Tribut. Isaac sieht darin ein Indiz dafür, dass Kleruchen hier angesiedelt wurden. ↑

Prägesystem und Typologie

Alopekonnesos emittierte wenige Bronzemünzen in der Zeit zwischen 400 und 250 v. Chr. Die Münzvorderseiten zeigen immer einen Kopf im Profil (jugendlicher Dionysos oder Mänade, Athena, Apollon oder ‚Persephone‘), die Rückseiten in der ersten Prägeperiode einen Kantharos mit diversen Beizeichen, darunter den Fuchs. Später erscheint der Fuchs auch als Hauptbild auf den Rückseiten,6 sowie eine Weintraube.7

U. Yarkin, der die Prägung von Alopekonnesos zusammengestellt hat, unterscheidet die Typen in drei chronologische Gruppen, 400–300, 300–250 und 250–200 v. Chr., deren Einteilung hier gefolgt wird. Nach Bearbeitung aller Bronzeprägungen der Chersones wird eventuell eine Revision dieser Einteilung stattfinden können, da alle Orte der Halbinsel in klassischer und hellenistischer Zeit nur für kurze Perioden kleine Prägungen emittierten. Diese sind möglicherweise zeitlich parallel zu sehen und könnten auch in ihren Nominalsystemen aufeinander abgestimmt sein; insbesondere, wenn man davon ausgeht, dass als Gemeinschaftsprägung der Halbinsel die Silberprägung mit den Löwenmotiven (s. Thrakische Chersonesos) fungierte. In der gesamten Prägezeit von Alopekonnesos können zwei Nominalstufen an Hand des Durchmessers unterschieden werden. Ein größeres Nominal mit 18–21 mm und ein kleineres Nominal mit 12–15 mm, wobei die kleinere Gruppe zwischen 1–4 g wiegt, während in der Gruppe mit dem größeren Durchmesser das Gewicht stärker schwankt und sich zwischen 5 und 11 g bewegt. Diese Einteilung wird dadurch gestört, dass in8 die Grenze zwischen diesen beiden Stufen in Hinblick auf die bislang bekannten Exemplare fließend zu sein scheint.9

U. Yarkins erste Periode zeigt als Vorderseitenmotiv einen Dionysos- oder Mänadenkopf und gegen Ende eventuell Apollon.10 Die Benennung dieses Kopfes der Gruppe 1 ist in der Literatur uneinheitlich; es sind zwischen diesen Köpfen kaum Unterschiede auszumachen, so dass die Deutung unklar bleibt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass jeweils dieselbe Figur, Mänade oder jugendlicher Dionysos, gezeigt wird. Als Rückseitenmotiv zeigt Gruppe 1 den Kantharos mit verschiedenen Beizeichen, auf Grund derer und ihrer Verteilung im Bildfeld wir Subtypen gebildet haben. Gemeinsames Merkmal der Gruppe 1 ist die Abkürzung des Stadtnamens AΛΩ auf der Rückseite.

In der zweiten Phase erscheinen auf den Vorderseiten verschiedentlich benannte Köpfe, deren Benennung meist an einem Haarkranz (Lorbeerkranz > Apollon; Kornkranz > Demeter/Persephone, Dionysos) festgemacht wird; lediglich Athena ist am Helm eindeutig zu identifizieren. Auf den Reversen treten neben dem Kantharos nun auch der Fuchs und die Weintraube als Hauptmotiv auf. Der Stadtname auf der Rückseite wird in der 2. Gruppe ausführlicher als ΑΛΩΠΕΚΟΝ oder ΑΛΩΠΕΚΟΝΝΗΣΙΩΝ wiedergegeben.11

Die Abspaltung zweier Typen zu Gruppe 3 durch U. Yarkin beruht auf stilistischen Gründen und eventuell auf den Fundumständen aller drei zugehörigen Münzen in der Nähe des antiken Alopekonnesos. Sowohl Münztypen als auch Legenden finden sich bereits in den vorhergehenden beiden Gruppen.

Die Typen der Bronzeprägung von Alopekonnesos beziehen sich überwiegend auf Dionysos: Profilkopf des Dionysos, Kantharos, Weintrauben (in jedem der dreizehn Typen als Hauptmotiv oder Beizeichen vertreten), weiterhin wird über das Motiv des Fuchses auf den Stadtnamen und das Gründungsorakel rekurriert (3 Typen als Hauptmotiv, 7 als Beizeichen) und über den Athenakopf eventuell eine Verbindung zu Athen evoziert (4 Typen).12

Viele Münzen wurden in der direkten Nähe von Alopekonnesos gefunden.13 Auf Grund der geringen Menge an bekannten Münzen war es nicht möglich, für alle Typen in der Datenbank geeignete Abbildungen zu finden.

Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.

  1. CN_Type396; CN_Type392; CN_Type391; CN_Type400; CN_Type1979. ↑

  2. CN_Type397. ↑

  3. CN_Type1992. ↑

  4. Bei Hoover 2017 Einteilung in drei Nominalstufen: Denomination B (19–22 mm; 4,79–10,46 g.), Denomination C (15–18 mm; 1,55–6,05 g.), Denomination D (14–15 mm; 1,55–3,21 g.), sowohl Gewicht als auch Durchmesser verschwimmen zwischen Denomination C und D, so dass die Zusammenlegung zu einem Nominal wie hier vorgeschlagen, möglich wäre. ↑

  5. Yarkin 1978, 5, verzeichnet unter den Nrn. 52 und 53 zwei Exemplare. Nr. 53 wird bei Mionnet Suppl. II (1822) 522 Nr. 3 als Bacchus mit Efeukranz beschrieben. ↑

  6. Die Abspaltung zweier weiterer Typen zu seiner Gruppe 3 erschließt sich nicht. ↑

  7. Isaac 1986, 190 sieht in der Reduzierung der Tributzahlungen nach 446 v. Chr. ein Anzeichen dafür, dass attische Kleruchen angesiedelt wurden. ↑

  8. Im ägäischen Mesembria fanden sich neun Münzen von Alopekonnesos. Eine Berliner Münze stammt aus den Fundmünzen von Pergamon. Eine weitere Münze trat im geto-dakischen Zimnicea zu Tage. ↑

Bibliographie

  • Chitescu 1972 = M. Chiṭescu, O monedă a oraşului Alopeconnesos (chersonesul tracic) descoperită la Zimnicea, Studii şi cerceetari de istorie veche 23 Nr.2, 1972, 299–306.
  • Hoover 2017 = O. D. Hoover, Handbook of Coins of Macedon and Its Neighbors. Part II: Thrace, Skythia, and Taurike, Sixth to First Centuries BC, The Handbook of Greek Coinage Series 3 (Lancaster/London 2017), S. 45–48.
  • Isaac 1986 = B. Isaac, The Greek Settlements in Thrace until the Macedonian Conquest (Leiden 1986), S.189–191.
  • Schönert-Geiss 1999 = E. Schönert-Geiss, Bibliographie zur antiken Numismatik Thrakiens und Mösiens (Berlin 1999), S. 1403–1409.
  • Yarkin 1978 = U. Yarkin, The Coinage of Alopeconnesus in Thracian Chersonesus, Numismatic Chronicle 18 Nr. 138, 1978, 1–6 mit Taf. 1.

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