Münzstätten
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- Name: Samothrake
- Moderner Name: -
- Nomisma-ID: samothrace
- Nomisma-Region: islands_off_thrace
Inhalt
- Topographie und Geschichte
- Forschungsstand
- Prägesystem und Typologie
- Besonderheiten der Prägung
- Bibliographie
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Verknüpfte Datensätze
Topographie und Geschichte
Die griechische Insel Samothrake, liegt in der Nördlichen Ägais zwischen Thasos und Imbros. Hier war die zweitwichtigste Mysterienstätte Griechenlands beheimatet, das Heiligtum der Großen Götter (Megaloi Theoi). Strategisch war die Insel sehr gut gelegen, was den Samothrakern erlaubte, den wichtigen Seeweg entlang der thrakischen Küste zum Hellespont und weiter ins Marmarameer und Schwarze Meer zu kontrollieren.
Homer nannte die Insel das „thrakische Samos“.1 Zu den ersten griechischen Kolonisten gehörten unter anderem auch die Samier, die um 700 v. Chr. auf Samothrake eine griechische Polis gründeten. In den Perserkriegen im 5. Jahrhundert v. Chr. kämpften die Samothraker auf der Seite Persiens, nach der Niederlage der Perser traten sie dem Attisch-Delischen Seebund bei.
Im Hellenismus wurde die Insel ein Teil des makedonischen Reiches und das Heiligtum ein bedeutender Ort für die Ptolemäer. Nach dem Ende der Diadochenreiche geriet die Insel unter römische Herrschaft.
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Homer Ilias XIII, 10–15. ↑
Forschungsstand
Die Münzprägung der Insel wurde nur gelegentlich in der Forschung berücksichtigt. Außer wenigen Aufsätzen gibt es bis heute keine umfassende Studie über die Münzen von Samothrake. Im Jahre 1898 wurde von N.B. Phardys die Arbeit zur hellenistischen Münzprägung der Insel veröffentlicht.2 Fast ein Jahrhundert später stellte Edith Schönert-Geiss in einem Aufsatz die gesamte Münzprägung von Samothrake im Überblick vor.3 Fast alle bekannten früheren Münzen von der Insel stammen aus dem Kiourpet Hort, der 1930 in Samothrake entdeckt wurde.4 W. Schwabacher konnte anhand dieses Fundes die frühen Silbermünzen, die häufig als Emissionen anderer Münzstätten angesehen wurden, Samothrake zuweisen.5
Prägesystem und Typologie
Samothrake begann schon ab etwa 500 v. Chr. mit einer eigenen Silberprägung. Die frühesten Silbermünzen sind Statere (Didrachmen), Drachmen und kleinere Werten bis zu Hemiobolen, die nach dem euböischen-attischen Münzfuß geprägt wurden.6
Bei der Silberemissionen der spätarchaischen Periode (500–475 v. Chr.) werden drei Gruppen unterschieden. Davon trägt die erste Gruppe auf der Vorderseite eine Sphinx (hockend,7 sitzend,8 oder nur deren Vorderteil auf den Obolen9), die mit verschiedenen Motiven auf den Rückseiten gekoppelt ist, wie dem quadratum incusum, einem Löwenkopf im quadratum incusum oder einem bärtigen Kopf des Kabeiros mit Pilos?, der sich ebenfalls im quadratum incusum befindet.10 Die Darstellung der Sphinx könnte als besonderes Symbol auf das große Heiligtum der Insel hindeuten. Auf der zweiten Gruppe der spätarchaischen Münzen ist der Kopf der Athena mit korinthischem Helm abgebildet und die dritte Gruppe zeigt den Kopf eines Stiers.11 Die Rückseiten tragen verschiedene Motive: quadratum incusum,12 einen Blütenstern im quadratum incusum13 oder einen Stierkopf, ebenfalls von einem quadratum incusum umgeben.14 Die letzten zwei Gruppen bestehen vorwiegend aus kleineren Nominalen von Diobolen bis Hemiobolen. Der größte Teil dieser früheren Münzen ist anepigraphisch und nur Statere und Drachmen tragen die ersten Buchstaben des Ethnikons auf der Vorder- oder Rückseite.15
Es gibt bislang keine Informationen über eine Prägung samothrakischer Münzen während der klassischen Periode. Erst im letzten Viertel des 4. oder ganz am Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. begann Samothrake erneut mit einer eigenen Münzprägung aus Silber und Bronze. Zum dominierenden Münzbild für beide Metalle bis in das 2. Jh. v. Chr. gehört die Darstellung des Athenakopfes (auf einigen späteren Silberserien ihr Brustbild) auf der Vorderseite und die nach links thronende Kybele auf der Rückseite. Die Silberprägung der Polis des 2. Jahrhunderts v. Chr. bestand nur aus Tetradrachmen und Didrachmen im reduzierten Münzfuß.16 Dieser Typ der thronenden Göttin auf der Rückseite ist der bekannteste unter den samothrakischen Bronzemünzen in hellenistischer Zeit.17 Charakteristisch für alle diese Emissionen sind jedoch das verkürzte Ethnikon und die zahlreichen wechselnden Magistratsnamen.18
Im 3. Jahrhundert v. Chr. emittierte die Munzstätte Tetradrachmen im attischen Münzfuß.19 Es handelt sich um die sog. Lysimachos-Prägung20 sowie eine posthume Prägung nach dem Vorbild der Münzen im Namen Alexanders des Großen. Eine zweite Serie alexandrinischer Tetradrachmen, die ca. 172–168 v. Chr. ausgegeben wurde, wurde nach einem reduzierten attischen Münzfuß geprägt.21 Ebenfalls in diesen Zeitraum fallen die Nachahmungen rhodischer Drachmen (sog. pseudo-rhodische Drachmen). Abwechselnde Monogramme, Beizeichen und Magistratsnamen flankieren die oben beschriebenen Ausgaben.
Die Silberemissionen des frühen 2. Jahrhunderts v. Chr. wurden durch eine Bronzeprägung in vier Nominalen ergänzt. Zwei weitere Bronzeserien eines kleineren Münzwertes kommen hinzu. Diese tragen zwar auf der Vorderseite ebenfalls den Athenakopf, ihre Rückseiten zeigen aber einen Krieger auf einer Prora22 oder den Kopf eines Widders mit davor stehendem Kerykeion.23 Laut den Grabungsmünzen aus dem Heiligtum von Samothrake, die neue Erkenntnisse über die Wiedereröffnung der Münzstätte gebracht haben, deuten alle verfügbaren Beweise darauf hin, dass die Proraserie der des Widderkopfes vorausging.24 Ein wenig später tritt der etwas seltenere Typ des Widdervorderteils auf der Rückseite in kleinerem Nominalwert auf.25
Um das 1./2. Jahrhundert n. Chr. taucht der dominierende Münztyp der Athena/Kybele wieder auf und weist zwei Neuheiten auf: Auf der Vorderseite wird ein Stern hinzugefügt und auf die Rückseite ist das voll ausgeschriebene Ethnikon getreten.26
In der Literatur wird die Meinung vertreten, dass die jüngsten Münzen aus den Jahren Hadrians stammen; es sind jedoch keine entsprechenden Münzen bekannt.
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Hoover 2010, 70. ↑
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CN_Type19373; CN_Type19374; CN_Type19394; CN_Type19571; CN_Type19393. ↑
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CN_Type19571; zu den Kabeiri auf samothrakischen Münzen siehe Schwabacher 1952, 49–51. ↑
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Nach Schwabacher 1938 als Sphinxgruppe I, Sphinxgruppe II und Athenagruppe bezeichnet. ↑
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Für Silber CN_Type19480; CN_Type19481; CN_Type19482; CN_Type19483. ↑
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Z. B.: CN_Type13157; CN_Type13160; CN_Type19465 usw. Hoover 2010, 74 Denomination B. ↑
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Von Phardys 1898 sind erstmals alle auf diesen Münzen genannten Magistratsnamen aufgelistet worden. ↑
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CN_Type13106; CN_Type13087. Die Darstellung eines Kriegers am Bug des Schiffes könnte an einen bestimmten Seesieg erinnern oder auf die Macht der großen Götter anspielen, Seeleute in Seenot zu retten. Nach Hoover 2010, 75 Denomination D. ↑
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Z. B. CN_Type12946; CN_Type13101; CN_Type13108. Nach Hoover 2010, 75 Denomination D. ↑
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Nach Gadbery (1992) entkräften diese Münzserien die allgemein vertretene Meinung, die die Wiedereinführung der lokalen Münzprägung auf Samothrake mit der Befreiung der Insel nach dem Tod des Lysimachos im Jahr 281 verbindet, indem sie das Datum der erneuten Prägung um zwei Jahrzehnte oder mehr nach hinten verschieben. ↑
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Z. B: CN_Type19467; CN_Type13127; CN_Type13125. ↑
Besonderheiten der Prägung
Zu den Besonderheiten der samothrakischen Münzprägung gehören die sog. pseudo-rhodischen Drachmen, die ca. 171–168 v. Chr. nach dem reduzierten rhodischen Münzfuß geprägt wurden (Drachme von ca. 2,8 g). Dargestellt ist der Kopf des Helios auf der Vorderseite und eine Rosenblüte mit Knospe auf der Rückseite.
Diese nachgeahmten Münzen wurden durch Beizeichen und Magistratsnamen in Verbindung mit Samothrake gebracht. Bislang sind uns sieben Münztypen bekannt.
Ein besonderer Hinweis auf den Verbindung dieser Prägung mit der Münzstätte von Samothrake sind die Beizeichen des Widders und des Kerykeions, Symbole, die mit dem pelasgischen Hermes und den Kabeiri, die auf der Insel als bedeutender Kult verehrt wurden. Viel entscheidender für die Zuordnung dieser Münzen zu Samothrake ist jedoch die Tatsache, dass wir hier dieselben Namen haben, die auch auf Bronzeemissionen oder sogar auf posthumen Alexander-Münzen erscheinen.27 Diese Namen kommen auf rhodischen Drachmen nicht vor. Nach R. Ashton könnten auch zwei große Emissionen mit dem Namen Gorgos und dem Symbol Fackel bzw. Fackel mit Stern Samothrake zugewiesen werden.28
R. Ashton29 hat in seinem Artikel argumentiert, dass diese Münzen wahrscheinlich zur Unterstützung von Perseus Krieg gegen die Römer geschlagen wurden und der Bezahlung kretischer und anderer Soldaten während des Dritten Makedonischen Krieges dienten. Da die rhodischen Münzen auf Kreta zirkulierten und somit eine vertraute und vertrauenswürdige Währung für die Kreter waren, macht es seiner Meinung nach wahrscheinlich, dass sie die Bezahlung in dieser Form verlangten.
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Dazu vgl. CN_Type19745; CN_Type19744; CN_Type19736; CN_Type10003. ↑
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Ashton 2002, 73–78. ↑
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Ashton 1998, 29–30. ↑
Bibliographie
- Ashton 1988 = R. Ashton, Pseudo-Rhodian Drachms from Samothrace, in NC 146 (1988), 129–134.
- Ashton 2002 = R. Ashton, Clubs, Thunderbolts, Torches, Stars and Caducei. More Pseudo-Rhodian Drachms from Mainland Greece and the Islands, in NC 162 (2002), 59–78.
- Gadbery 1992 = L.M. Gadbery, Samothracian Coins, in Samothrace 7: The Rotunda of Arsinoe (1992), 331–339.
- Hoover 2010 = O. D. Hoover, Handbook of Coins of the Islands, The Handbook of Greek Coinage Series Vol. 6, 2010, 69–75.
- IGCH 696 = Thompson, Margaret, Mørkholm, Otto, Kraay, Colin M. and Noe, Sydney Philip, An Inventory of Greek Coin Hoards (New York, 1973), no. 696.
- IGCH 1774 = Thompson, Margaret, Mørkholm, Otto, Kraay, Colin M. and Noe, Sydney Philip, An Inventory of Greek Coin Hoards (New York, 1973), no 1774.
- IGCH 858 = Thompson, Margaret, Mørkholm, Otto, Kraay, Colin M. and Noe, Sydney Philip, An Inventory of Greek Coin Hoards (New York, 1973), no. 858.
- SNG COPENHAGEN = Sylloge Nummorum Graecorum. Copenhagen. The Royal Collection of Coins and Medals. Danish National Museum. Part 7: Thrace 2: Odessus - Sestos. Islands. Kings and Dynasts (Copenhagen 1953).
- SNG KIKPE = Sylloge Nummorum Graecorum. Greece 7. The KIKPE collection of Bronze Coins (Athens 2012).
- Phardys 1898 = N. Phardys, Νομισματικά Σαμοθράκης, in JIAN 1 (1898), 253–262.
- Schönert-Geiss 1996 = E. Schönert-Geiss, Zur Münzprägung von Samothrake: Ein Überblick, in ΧΑΡΑΚΤΗΡ. Αφιέρωμα στην Μάντω Οικονομίδου (Athen 1996), 271–276.
- Schwabacher (1938) = W. Schwabacher, Ein Fund archaischer Münzen von Samothrake, in: Transactions of the International Numismatic Congress London 1936 (1938), 109–120.
- Schwabacher 1952 = Cabiri on Archaic Coins of Samothrake, in ANSMN 5 (1952), 49–51.