Person
- Name: Adaios (Mitte des 3. Jh. v. Chr.)
- Nomisma-ID: adaeus_thrace
- Name: Kersibaulos (280-250 v. Chr.)
- Nomisma-ID: cersibaulus_tylis_thrace
- Name: Kotys IV. (57-48 v. Chr.)
- Nomisma-ID: cotys_iv_astaean_thrace
- Name: Mostis (128-86 v. Chr.)
- Nomisma-ID: mostis_caeni
- Name: Orsoaltios (erste Hälfte 3. Jh. v. Chr.)
- Nomisma-ID: orsoaltius_tylis_thrace
- Name: Sadales II. (48-42 v. Chr.)
- Nomisma-ID: sadales_sapaean_thrace
- Name: Skostokos (zweites Drittel 3. Jh. v. Chr.)
- Nomisma-ID: scostocos_i_thrace
- Name: Seuthes III. (330-295 v. Chr.)
- Nomisma-ID: seuthes_iii_odrysian_thrace
- Name: Spartokos (281-277 v. Chr.)
- Nomisma-ID: spartocus_odrysian_thrace
Inhalt
- Topographie und Geschichte
- Forschungsstand
- Prägesystem und Typologie
- Bibliographie
- Auf der Karte anzeigen
Verknüpfte Datensätze
Topographie und Geschichte
Auch nach der makedonischen Eroberung Thrakiens im Jahr 341 v. Chr. und der Einrichtung einer „Thrakischen Strategie“ unter makedonischer Verwaltung spielten lokale Dynasten eine wichtige Rolle.1 So ließ auch Seuthes III., der als „Symbolfigur des Widerstands gegen die makedonische Fremdherrschaft“2 angesehen wurde, sein Porträt auf Münzen prägen. Im 3. Jahrhundert orientierten sich indes die meisten Dynasten am hellenistischen Vorbild, was sich auch in ihrer Münzprägung unverkennbar widerspiegelt.
Forschungsstand
Dank der ausführlichen Behandlung der Münzprägung der thrakischen Dynasten in der 1997 erschienenen Dissertation von U. Peter gelten die Prägungen der lokalen Herrscher als relativ gut aufgearbeitet. In unserem Typenkatalog bemühen wir uns darum, ergänzend dazu auch die seitdem vermehrt neu bekannt gewordenen Münztypen zu berücksichtigen. Hier ist insbesondere der umfangreiche Katalog von St. Topalov zu nennen,3 in dem auch neues Material aus bulgarischen Privatsammlungen miteinbezogen wurde. Sehr umfassend sind zudem die Typenzusammenstellungen von J. Jurukova4 sowie A. Peykov.5
Prägesystem und Typologie
Die thrakischen Dynasten prägten sowohl in Silber als auch in Bronze; bei einigen Herrschern existieren Münzen aus beiden Metallen nebeneinander. In der Münzprägung der hellenistischen Dynasten spielen Imitationen der Tetradrachmen Alexanders des Großen eine maßgebliche Rolle. Die Nominalstruktur der jeweiligen Bronzeprägungen ist schwer zu fassen; bei den meisten Herrschern sind eine, zwei oder drei Nominalstufen zu unterscheiden. Der Münzfuß lässt sich in Hinblick auf diese rudimentäre Evidenz nicht näher bestimmen.
Die Münztypen des Seuthes III.
Der thrakische Herrscher Seuthes III. reg
Die Münztypen des Spartokos
Die Herrschaftszeit des Spartokos überschneidet sich teilweise mit der Herrschaftszeit des Seuthes III.15 Erst nach dem Tod des Seuthes III. emittierte Spartokos eine kleine Serie von Bronzemünzen. Auf den Vorderseiten ist ein janusförmiger Kopf eines Löwen und eines bärtigen Mannes dargestellt; die Rückseiten zeigen die nach links stehende Artemis mit einem Kranz in der Rechten. Den Rückseiten dieser Münzserie ist jeweils ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΣΠΑΡΤΟΚΟΥ beigeschrieben. 16
Die Münztypen des Skostokos
Skostokos prägte im zweiten Drittel des 3. Jahrhunderts v. Chr. Tetradrachmen mit Darstellung des Kopfes von Alexander dem Großen mit Widderhorn und Taenia auf der Vorderseite und einer thronenden Athena Nikephoros auf der Rückseite; die Revers-Legende dieser Typen lautet jeweils ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΛΥΣΙΜΑΧΟΥ ΣΚΟΣΤΟΚΟΥ.17 Zudem emittierte Skostokos Bronzemünzen mit einem teilweise wohl als Herrscherporträt, teilweise als Apollon-Kopf zu deutendem Kopf auf den Münzvorderseiten und der Darstellung eines Reiters auf den Münzrückseiten.18 Andere Münzrückseiten der Bronzeserie zeigen die Kultstatue der Artemis Phosphoros.19 Die Münzprägung des Skostokos wurde umfassend in einer von W. Fischer-Bossert vorgelegten Stempelstudie behandelt.20
Die Münztypen des Adaios
Die Aufarbeitung der Bronzeprägung des thrakischen Dynasten Adaios, die in die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. datiert, gestaltet sich nicht nur aufgrund des relativ umfangreichen Bildrepertoirs, sondern auch aufgrund der Vielzahl an Monogrammen durchaus diffizil. Die der größeren Nominalstufe zuzuordnenden Münzen zeigen entweder einen Athena-Kopf, einen Herakles-Kopf oder einen Apollon-Kopf auf der Vorderseite und passend dazu entweder eine Eule, eine aufgerichtete Keule oder einen Dreifuß auf der Rückseite.21 Die Bildmotive Herakles-Kopf und aufgerichtete Keule finden indes auch auf dem kleinen Nominal Verwendung.22 Auf einem weiteren dem kleinen Nominal zuzuordnenden Münztyp ist ein Eberkopf auf dem Avers und eine Speerspitze auf dem Revers dargestellt.23
Die Münztypen des Orsoaltios
Die Münzprägung des Orsoaltios, dessen Lebenszeit grob ins 3. Jahrhundert v. Chr. datiert wird,24 umfasst typische Imitationen der Tetradrachmen Alexanders des Großen mit Herakles-Kopf auf der Vorderseite und Zeus Aëtophoros, begleitet von der Legende ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΟΡΣΟΑΛΤΙΟΥ, auf der Rückseite.
Die Münztypen des Kersibaulos
Ebenso wie Orsoaltios prägte auch der im 3. Jahrhundert v. Chr. regierende (vermutlich) thrakische25 Dynast Kersibaulos Imitationen von Tetradrachmen;26 zu Füßen des Zeus Aëtophoros ist allerdings zusätzlich noch ein ovaler Schild zu erkennen. Die Rückseitenlegende lautet ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΚΕΡΣΙΒΑΥΛΟΥ.
Die Münztypen des Kotys III.
Überschaubar sind die im 2. Jahrhundert v. Chr. unter Kotys III. emittierten Bronzemünzen. Auf den Vorderseiten aller Münztypen ist jeweils ein Brustbild der Artemis wiedergegeben; die Rückseiten zeigen ein Pferd mit erhobenem Vorderhuf.27 In der Rückseitenlegende wird der Herrschername teils mit teils ohne βασιλεύς-Titel angegeben.
Die Münztypen des Mostis
Relativ vielfältig erweist sich auch die Münzprägung des ins späte 2. oder frühe 1. Jahrhundert zu datierenden Dynasten Mostis, der sowohl Tetradrachmen aus Silber als auch Bronzemünzen prägen ließ. Auf seinen Tetradrachmen sind das Herrscherporträt auf dem Avers und eine Athena Nikephoros auf dem Revers zu erkennen.28 Die Revers-Legenden enthalten den Herrschernamen mit βασιλεύς-Titel, eine Jahresangabe und optional einen Statthalternamen. Die Bronzemünzen erweisen sich in Hinblick auf die Ikonographie als recht komplex: Auf den Vorderseiten sind unterschiedliche Götter- und Menschenporträts dargestellt, während die Rückseiten einen Adler auf einem Blitz,29 ein Pferd,30 einen Köcher mit Bogen und Pfeilen,31 eine Rüstung32 oder ein Kerykeion33 zeigen.
Die Münztypen des Rhaiskouporis und Kotys IV.
Die in der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. geprägten Münzen der thrakischen Herrscher Rhaiskouporis und seines Sohnes Kotys IV. zeigen den Kopf eines jungen Mannes auf der Vorderseite, der wohl als Kotys IV. zu interpretieren ist, und ein Tropaion auf der Rückseite.34 Die Vorder- und Rückseitenlegenden nennen die beiden Dynasten jeweils mit βασιλεύς-Titel.
Die Münztypen des Sadales II.
Auf der Vorderseite des einzigen bekannten Münztyps des Sadales II., dessen Regierungszeit in die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. datiert, wird das Herrscherporträt dargestellt, auf der Rückseite wird ein Adler auf einem Blitz wiedergegeben; die Rückseitenlegende nennt den Namen des Dynasten und lautet ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΣΑΔΑΛΟΥ.35
Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.
Bibliographie
- Dimitrov 1984 = D. Dimitrov: Sevtopolis, 2. Antični i srednovekovni moneti (Sofia 1984).
- Fischer-Bossert 2015 = W. Fischer-Bossert, Die Lysimacheier des Skostokos, RBN 151, 2005, pp. 49–74.
- Jurukova 1976 = J. Jurukova, Coins of the Ancient Thracians, BAR Supp. Series 4 (Oxford 1976).
- Jurukova 1992 = J. Jurukova, Monetite na trakijskite plemena i vladeteli (Sofia 1992).
- Peter 1997 = U. Peter, Die Münzen der thrakischen Dynasten (5.-3. Jahrhundert v. Chr.). Hintergründe ihrer Prägung, Griechisches Münzwerk (Berlin 1997).
- Peykov 2011 = A. Peykov, Catalogue of the Coins from Thrace. Part I: Tribal and Rulers' Coinages of Thracians, Paeonians, Celts and Scythians 5th c. B.C. - 1st c. A.D (Centrex 2011).
- Topalov 2004 = St. Topalov, New Contributions to the Study of the Coinage and History of the Early Odrysian Kingdom in the Lands of Ancient Thrace (Sofia 2004).