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Die Münztypologie von

Trieros

Prägesystem und Typologie

Die Bedeutung der Legende TPIH oder TPIE auf kleinen Silbermünzen (Durchmesser um die 8–10 mm, Gewicht ca. 0,45 g) ist in der numismatischen Forschung seit langem umstritten.1 Während die eine Gruppe dafür plädiert, sie einer Stadt Trieros zuzuschreiben, denken die anderen an eine Nominalbezeichnung im Sinne von Trihemiobol.2 Datiert werden die Münzen aus stilistischen Gründen in die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr.3

Zunächst lassen sich ikonographisch zwei Gruppen scheiden: die erste zeigt auf der Vorderseite einen Apollonkopf mit Lorbeerkranz nach links oder rechts und auf der Rückseite im quadratum incusum einen aufrecht stehenden Lorbeerzweig mit jeweils einer der beiden genannten Legenden.4 Eine zweite Gruppe trägt dieselben Legenden auf der Rückseite in einem quadratum incusum ohne figürliche Zutat und auf der Vorderseite eine Pferdeprotome nach rechts.5 Trotz Ähnlichkeiten in Durchmesser und Gewicht sowie bezüglich der Fundorte6 kann die Zusammengehörigkeit dieser beiden Gruppen durchaus angezweifelt werden. Weitere schriftlose Münzen mit einer Pferdeprotome auf Vorderseite und einem quadratum incusum auf der Rückseite werden ebenfalls dieser Serie zugeordnet.7

Zur Zuschreibung zu einer Stadt, Tr(i)eros, oder einem Stamm der Trierer stützt sich die Forschung auf Berichte von Strabo, Stephanos von Byzanz und Theopompos,8 die den thrakischen Stamm der Trierer zwischen Maroneia und Abdera am See Bistonis ansiedeln.9 Daraus, dass einige der kleinen Münzen in der Nähe von Olynth und in der Stadt selbst gefunden wurden, sowie wegen stilistischer Ähnlichkeiten des Apollonkopfes der kleinen Münzen zu dem auf den Münzen des chalkidischen Bundes schlussfolgerten die Ausgräber D. M. Robinson und P. A. Clement, die Münzen seien in Olynth geprägt worden.10 Sie gelangten durch stilistische Vergleiche zu einer Datierung um 430–400 v. Chr., können die Trihemiobole auf Grund ihres Gewichts aber nicht in die chalkidische Serie einordnen, da sie zu leicht sind.11 Auch von S. Psoma werden diese Münzen mit Apollon und Lorbeerzweig an den chalkidischen Bund gegeben. Bezüglich der Münzen mit der Pferdeprotome plädiert S. Psoma auf Grund eines Einzelstücks ähnlichen Typs mit einem ganzen Pferd auf der Vorderseite und den Buchstaben ΔΙΟΒ im quadratum incusum der Rückseite dafür, diese Stücke als Münzen mit aufgeschriebener Nominalbezeichnung zu betrachten und weist sie Alexander I. und Perdikkas II. zu.12 Die Nominalbezeichnung auf den Münzen sei durch die Reduzierung des Münzfußes notwendig geworden.13

Die Aufnahme der TPIE/H gekennzeichneten Münzen in das Typenverzeichnis der thrakischen Münzen erfolgt auf Grund der Konvention, dass viele dieser Münzen noch in Sammlungen und Literatur dem thrakischen Bereich zugeordnet werden.

Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.

  1. Imhoof-Blumer 1873, 3, mit einer Liste möglicher Zuschreibungen. ↑

  2. Imhoof-Blumer 1873, 1, Verwendung derselben Buchstaben TPIH in Korinth als Nominalbezeichnung für Trihemiobol analog zu ΔΙΩ für Diobol. Gardner 1871. Psoma 1996. ↑

  3. Psoma 1996, 104 mit Anm. 3 über stilistischen Vergleich zu den Prägungen Olynths 420–390 v. Chr. ↑

  4. CN_Type1878; CN_Type1881; CN_Type1883. ↑

  5. CN_Type1886. ↑

  6. Nordküste der Ägäis zwischen Chalkidike und Maroneia, vor allem in den Ausgrabungen von Olynth und auch Akanthos, Psoma 1996, 104. ↑

  7. Bsp. Slg. Klein Nr. 98, SNG Kopenhagen Nr. 820–821. ↑

  8. Strabo I, 59; Steph. Byz. s.v. Τρηρος. ↑

  9. Robinson – Clement 1938, 336. ↑

  10. Robinson – Clement 1938, 336-338. ↑

  11. Das mittlere Gewicht von 0,30 g. entspräche einem chalkidischen Hemiobol. ↑

  12. Psoma 1999, 273 mit Auflistung von elf ihr bekannten Exemplaren. ↑

  13. Weiterhin bespricht sie einen Typ mit männlichem Kopf mit Petasos auf der Vorderseite und TPIH im quadratum incusum auf der Rückseite, Psoma 1999, 277–278. ↑

Bibliographie

  • Gardner 1871 = P. Gardner, On Some Coins with the Inscription TPIH, Numismatic Chronicle, 1871, 162–165.
  • Imhoof-Blumer 1873 = F. Imhoof-Blumer, L‘inscription „TRIH“ sur des monnaies grecques antiques, Numismatic Chronicle, 1873, 9–18.
  • Psoma 1996 = S. Psoma, Des monnaies aux initiales TPIH, in: A.P. Tzamalis (Hr.), MNHMH Martin J. Price (Athen 1196), 104–110.
  • Psoma 1999 = S. Psoma, Monnaies de poids réduit d’Alexandre I et de Perdiccas II de Macédoine, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 128, 1999, 273-282.
  • Robinson – Clement 1938 = D. M. Robinson – P. A. Clement, Excavations at Olynthos IX, The Chalcidic Mint and the Excavation Coins found in 1928-1934 (Oxford 1938), 336–338.
  • Schönert-Geiss 1999 = E. Schönert-Geiss, Bibliographie zur antiken Numismatik Thrakiens und Mösiens (Berlin 1999), S. 1181–1186.

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