Münzstätten
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- Name: Plotinopolis
- Moderner Name: -
- Nomisma-ID: plotinopolis
- Nomisma-Region: inland_cities_of_thrace
Inhalt
- Topographie und Geschichte
- Forschungsstand
- Prägesystem und Typologie
- Chronologie
- Besonderheiten der Prägung
- Bibliographie
- Auf der Karte anzeigen
Verknüpfte Datensätze
Topographie und Geschichte
Das antike Plotinopolis befand sich im Westen Thrakiens südlich von Hadrianopolis, unweit des Mündungsgebiets des Flusses Ergines in den Hebros.1 Frühe Siedlungsspuren lassen sich auf dem Hügel Hagia Petra bis ins Neolithikum und auf dem Hügel Kales bis in die frühe Eisenzeit zurückverfolgen.2 Die Stadt wurde unter Trajan neu gegründet und zu Ehren seiner Gattin Plotinopolis genannt.3 In der Spätantike zählte Plotinopolis zu den bedeutendsten thrakischen Städten, wie sich anhand spektakulärer Grabungsfunde eindeutig nachweisen lässt.4 Im siebten Jahrhundert wurde Plotinopolis schließlich in Didymoteichon umbenannt.5
Forschungsstand
Die Münzprägung von Plotinopolis ist bislang noch nicht eingehend untersucht worden. Sowohl die Typenzusammenstellung von I. Varbanov als auch die im Rahmen des Roman Provincial Coinage-Projektes erfassten Typen weisen empfindliche Lücken auf und sind weitgehend unvollständig. In unserem Typenkatalog wurden vornehmlich die Münzen im Münzkabinett Berlin und in der Bibliothèque Nationale de France sowie die überwiegend aus dem British Museum stammenden Gipsabdrücke der BBAW berücksichtigt. Außerdem wurde aber auch in den Münzauktionen gezielt nach weiteren Münztypen gesucht, die dann mit in die Datenbank aufgenommen wurden. Neue Erkenntnisse lässt ein in Arbeit befindlicher Katalog von Marina Tasaklaki zur Münzprägung von Plotinopolis erhoffen.
Prägesystem und Typologie
Die insgesamt relativ überschaubare Münzprägung von Plotinopolis setzte unter Antoninus Pius ein und endete in der Regierungszeit des Caracalla. Eine kurze Prägelücke ist in der Regierungszeit des Commodus festzustellen. Die Nominalstruktur ist noch nicht gänzlich erschlossen, sodass bei einigen Münztypen keine Nominalangabe möglich ist. Allem Anschein nach emittierte Plotinopolis allerdings Münzen in fünf verschiedenen Nominalstufen.
Chronologie
Zur Regierungszeit des Antoninus Pius prägte Plotinopolis einige Zweier und Fünfer mit Kaiserporträt auf dem Avers sowie Vierer für Marcus Aurelius als Caesar. Die für Faustina II. geprägten Dreier datieren wahrscheinlich ebenfalls in die Regierungszeit des Antoninus Pius. Auch die sogenannten pseudo-autonomen Prägungen dürften wahrscheinlich in der Regierungszeit des Antoninus Pius geprägt worden sein. Das Bildrepertoire auf den Rückseiten der wenigen Zweier beschränkt sich auf Asklepios- und Hygieiadarstellungen.6 Auf den in der Regierungszeit des Antoninus Pius emittierten Fünfern überwiegen klassische Götterdarstellungen; dazu gesellen sich zwei Münztypen, auf denen der Kaiser auf einem Pferd reitend dargestellt ist.7 In den Rückseitenumschriften dieser Fünfern wird jeweils der Name des amtierenden Statthalters A. Pompeius Vopiscus8 oder Gargilius Antiquus9 genannt.
Auf den Rückseiten der für Marcus Aurelius geprägten Münzen häufen sich Hebros-Darstellungen;10 daneben existiert jeweils ein Typ, der Kybele auf einem Löwen11 respektive die drei Chariten12 zeigt. Auf den Reversen der Prägungen für Faustina II. sind ausschließlich verschiedene weibliche Gottheiten oder der Gott Apollon abgebildet.13 Aus der Samtherrschaft von Marcus Aurelius und Lucius Verus ist eine einzige für Lucius Verus geprägte Münze bekannt, deren Rückseite eine klassische Kaiserdarstellung mit phrygischem Gefangenen vor dem in militärischer Tracht gekleideten Kaiser zeigt.14
In der Regierungszeit des Septimius Severus emittierte Plotinopolis einen einzigen bekannten Münztyp für den Kaiser mit der Darstellung eines Triumphbogens auf dem Revers.15 In der Rückseitenlegende dieses Münztyps wird der Statthalter Gaius Caecina Largus genannt.16 In die Regierungszeit des Septimius Severus datieren ferner zwei Geprägte der Iulia Domna17 sowie eine für Geta als Caesar geprägte Münze, deren Rückseite eine um einen Altar geringelte Schlange zeigt.18
Unter Caracalla prägte Plotinopolis Münzen in ganz verschiedenen Nominalstufen. Auf der Vorderseite von mehreren Fünfern ist das nach links blickende Kaiserporträt mit Speer und Schild mit darauf abgebildetem Gorgoneion dargestellt; auf einem Vierer sticht die Verwendung eines Jugendporträts Caracallas ins Auge.19 Die Vorderseiten der Sechser zeigen ein gewöhnliches Kaiserporträt des bärtigen Caracalla mit Lorbeerkranz nach rechts; aufschlussreicher ist indes die Rückseitenkomposition dieser Münzen, auf denen der reitende Kaiser20 respektive Hades und Persephone in einer Quadriga21 zu erkennen sind. Besonderes Interesse verdient ein weiteres Gepräge, auf dessen Rückseite die einander gegenüberstehenden Büsten von Plotinopolis und der relativ unbekannten Polis Dominopolis abgebildet sind; die Rückseitenumschrift lautet ΠΛΩΤЄΙΝΟΠΟΛЄΙΤΩΝ ΠΛΩΤЄΙΝΟΠΟΛΙC ΔΟΜΗΝΟΠΟΛΙC ΑΔΕΛΦΑΙ. Die Echtheit dieser Münze ist aus stilistischen Gründen allerdings fraglich und erfordert weitere Untersuchungen.
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PIR P 660. ↑
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PIR G 79. ↑
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CN_Type5413 Siehe PIR C 102. ↑
Besonderheiten der Prägung
In Hinblick auf die Motivwahl ist die Vorliebe für weibliche Gottheiten durchaus signifikant. Vor allem Demeter erfreute sich in Plotinopolis großer Beliebtheit und wurde mit unterschiedlichen Attributen dargestellt.22 Auf einem unter Antoninus Pius geprägten Münztyp wird sie auf einer von zwei Schlangen gezogenen Biga dargestellt.23 In den Kontext des Demeter-Kultes gehört auch die Abbildung einer cista mystica als selbstständiges Bildmotiv auf einigen kleinen Nominalen.24
Neben Demeter scheint auch der Weingott Dionysos in Plotinopolis eine gewisse Rolle gespielt zu haben, ist sein Porträt doch auf der Vorderseite der zwei einzigen sogenannten pseudo-autonomen Münztypen abgebildet;25 der Revers von einem dieser beiden Münztypen zeigt einen Kantharos, was gleichfalls in den Kontext des Dionysos-Kultes verweist.26 Ein unter Antoninus Pius geprägter Münztyp zeigt den Weingott eingebunden in eine komplexe Szene: Er reitet auf einem nach rechts schreitenden Panther und hält einen Thyrsos in der Linken; vor dem Panther sind Pan und ein Silen zu erkennen.27 Ferner findet sich auch Apollon in unterschiedlichen Variationen auf den in Plotinopolis emittierten Münzen.28 Auf einem Münztyp ist ein Greif zu Füßen des Apollon abgebildet, den man anderweitig eher als Attributtier der Nemesis erwarten würde.29
Ein lokaler Bezug spiegelt sich in den zahlreichen Darstellungen des Flussgottes Hebros wider.30 Besonderes Interesse verdient eine Hebros-Darstellung auf einer Prägung für Marcus Aurelius aus der Sammlung Imhoof-Blumer: Der Flussgott ist nach links stehend mit nach vorne geneigtem Oberkörper abgebildet und setzt seinen rechten Fuß auf das am Boden liegende Quellgefäß.31
Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.
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CN_Type5348; CN_Type5398; CN_Type5405; CN_Type5410; CN_Type5412. ↑
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CN_Type5342; CN_Type5350; CN_Type5403; CN_Type5404; CN_Type5406; CN_Type5419; CN_Type5425; CN_Type5433. ↑
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CN_Type5396 Zu dieser Münze siehe ausführlich Imhoof-Blumer 1884, 12, Nr. 10. ↑
Bibliographie
- Imhoof-Blumer 1884 = F. Imhoof-Blumer, Griechische Münzen aus dem Museum in Klagenfurt und anderen Sammlungen, in: NumZ 16,1884, 227ff.
- Oberhummer 1951 = E. Oberhummer, Plotinopolis, in: RE XXI,1, 1951, 471.
- Soustal 1991 = P. Soustal, Didymoteichon. Tabula Imperii Byzantini 6: Thrakien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Wien 1991) 240-244.
- Varbanov (vol. III) 2007 = I. Varbanov, Greek Imperial Coins. And their Values, vol. 3: Thrace. From Perinthus to Trajanopolis (Bourgas 2007).