Münzstätten
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- Name: Orthagoria
- Moderner Name: -
- Nomisma-ID: orthagoreia_thrace
- Nomisma-Region: southern_coast_of_thrace
Inhalt
Verknüpfte Datensätze
Topographie und Geschichte
Die Lokalisierung von Orthagoria ist bis heute unsicher; es wurde früher häufig in Makedonien verortet.1 Zuerst wurde dies von H. Gaebler angezweifelt und der Ort an die thrakische Küste verlegt.2 Gewöhnlich wird, Strabo folgend,3 angenommen, es habe östlich von Maroneia gelegen.4 Nach Plinius war Orthagoria der ältere Name von Maroneia.5
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Dazu ausführlich Chryssanthaki-Nagle 2004, 57–59. ↑
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Gaebler 1925, 212–213: Orthagoria lag nicht in der Chalkidike sondern östlich von Maroneia an Stelle des heutigen Makri. Siehe aber auch den Artikel zu Zone, das ebenfalls an dieser Stelle vermutet wird. ↑
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Strab. 7a.1.48. ↑
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So Robert 1940, 87–90; Lazaridis 1972, 40.158, 46.164; Pantos 1983, 171.27 und Isaac 1986, 123. ↑
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Plin. NH 4.42. ↑
Prägesystem und Typologie
Der Name ist durch Münzen überliefert. Neben Stateren (Doppelsiglos bzw. Didrachme; um die 9,5–10,99 g., 22–24 mm)6 und ½-Stateren (Hemisiglos bzw. Hemidrachme; 2,00–2,89 g., 13–16 mm)7 vom Typ Artemiskopf/Helm sind auch Typen in Bronze bekannt.8 Die Bronzen zeigen einen Apollonkopf nach rechts und auf der Rückseite einen Helm. Auf Grund von Gewicht, Durchmesser und Ikonographie sind sie wahrscheinlich, wie S. Psoma vorschlägt, in zwei Typen zu trennen: Hemiobole von ca. 12–14 mm im Durchmesser, Apollon trägt kurzes Haar;9 und Tetartemoria/Chalkoi von 10–11 mm im Durchmesser und Apollon mit langem Haar.10 Alle Typen tragen auf der Rückseite die Legende ΟΡΘΑΓΟΡΕΩΝ.11 Die Silberprägung erfolgt nach persischem Standard, zu Grunde liegt der Siglos mit 5,35 g. Demnach prägte Orthagoria Doppelsigloi oder Didrachmen mit einem Gewicht um die 10,7 g. und Hemidrachmen um 2,67 g.12
Die Prägung ist im 4. Jahrhundert. v. Chr. zu verorten und mit den Prägungen Philipps von Makedonien ikonographisch zusammenzubringen.13 Deshalb schlägt K. Chryssanthaki-Nagle vor, sie in Abhängigkeit von diesen frühestens 348/7 v. Chr. zu datieren. Sie lässt die Prägung des größten Nominals, der Didrachmen, etwas später am Ende des 4. Jhs. v. Chr. einsetzen und alle drei Nominale bis ins beginnende 3. Jh. v. Chr. laufen.
Münzen von Orthagoria wurden bei den Ausgrabungen von Abdera, Zone und sehr zahlreich in Maroneia gefunden.14
Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.
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CN_Type2237, CN_Type6718 ist leichter als das unterste von K. Chryssanthaki-Nagle angegebene Gewicht für diese Nominalstufe. ↑
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CN_Type2238 In der Literatur auch als Stater und Triobol bzw. Fünftel bezeichnet, Psoma 2008, 193–207. ↑
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Bei den Pariser Stücken ist ein weiterer Typ vorhanden (Frontalkopf / Reiter r.), der wohl aber fälschlich Orthagoria zugewiesen wurde und eventuell Pharsalos sein könnte (BNF Fonds général, 892). ↑
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CN_Type5749 Psoma 2008, 79–86. ↑
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Gaebler 1925, 212–213, nennt einen weiteren Typ (Nr. 5, Taf. 18, 25, mit Kopf der Artemis nach r. / Helm mit Federn) der durch Sestini Orthagoia falsch zugewiesen wurde. Es handelt sich um einen Typ von Zakynthos. Hoover 2016, 221 Nr. 601 wiederum hat diesen Typ (BMC Taf. XX, 13, Peloponnes) als Büste des Hermes / Makedonischer Helm für Orthagoria mit Verweis auf Gaebler 1925 übernommen. ↑
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Aktuelle Durchschnittsgewichte der Typen finden sich in der Datenbank. Psoma 2008, 194 bezeichnet das größere Nominal als Stater und das kleinere als Fifth. ↑
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Hoover 2016: 350 v. Chr. oder später. ↑
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Psoma 2008, 194. ↑
Bibliographie
- Chryssanthaki-Nagle 2004 = K. Chryssanthaki-Nagle, Le monnayage d’orthagoreia, Revue Numismatique 160, 2004, 49–62.
- Gaebler 1925 = H. Gaebler, Zur Münzkunde Makedoniens: VI. Die Prägung der Stadt Olynthos und des chalkidischen Bundes / Die Lage von Orthagoria, Zeitschrift für Numismatik 35, 1925,193–216, hier 212–213.
- Gaebler 1935 = H. Gaebler, Die antiken Münzen Nord-Griechenlands 3,2: Die antiken Münzen von Makedonia und Paionia (Berlin 1935), S. 92–93.
- Hoover 2016 = O.D. Hoover, Handbook of Coins of Macedon and Its Neighbors. Part I: Macedon, Illyria, and Epeiros, Sixth to First Centuries BC, The Handbook of Greek Coinage Series, Volume 3 (Lancaster/London 2016), S. 221 Nr. 601.
- Isaac 1986 = B. Isaac, The Greek Settlements in Thrace until the Macedonian Conquest (Leiden 1986), S.123.
- Psoma 2008 = S. Psoma, Orthagoreia, a Macedonian Foundation in Thrace, in: S. Psoma – C. Karadima – D. Terzopoulou (Hrsg.), The Coins from Maroneia and the Classical City at Molyvoti (Athen 2008) 193–207 (Fundmünzen: S. 30 Molyvoti Halbinsel, S. 79–86 hellenistisches und römisches Maroneia).