Münzstätten
-
- Name: Nikopolis ad Mestum
- Moderner Name: -
- Nomisma-ID: nicopolis_ad_nestum
- Nomisma-Region: inland_cities_of_thrace
Inhalt
- Topographie und Geschichte
- Forschungsstand
- Prägeablauf und Metrologie
- Besonderheiten der Prägung
- Bibliographie
- Auf der Karte anzeigen
Verknüpfte Datensätze
Topographie und Geschichte
Die im oberen Mestatal gelegene Stadt Nikopolis ad Mestum befindet sich in einem Gebirgsbecken am Fuße der Westrhodopen.1 Die Lagebestimmung „ad Mestum“ dient dabei zur Unterscheidung von der gleichnamigen Stadt mit dem Zusatz „ad Istrum“, die seit Septimius Severus aber der Provinz Moesia inferior zuzurechnen ist. Archäologische Funde legen eine Besiedlung der umliegenden Gegend von Nikopolis ad Mestum in vorrömischer Zeit nahe.2 Die Gründung und Urbanisierung der Stadt Nikopolis erfolgte allerdings erst in trajanischer Zeit, wie der städtische Beinamen Ulpia vermuten lässt.3 Mit der Stadtgründung begann jedoch noch nicht die lokale Münzprägung von Nikopolis; vielmehr setzte diese erst in severischer Zeit ein und dauerte nur wenige Jahre an. Die Anbindung an das antike Straßennetz war durchaus günstig, was ein Aufblühen der Stadt in severischer Zeit begünstigte.4 In der Spätantike erlangte der Abbau von Marmor sowie die lokale Keramikproduktion einige Bedeutung.5
Forschungsstand
Die Münzprägung von Nikopolis ad Mestum wurde von H. Komnick im Rahmen eines in der Reihe Griechisches Münzwerk publizierten Corpusbandes relativ umfassend aufgearbeitet. Dieser Band liegt auch dem Typenkatalog unserer Datenbank zugrunde. Dabei wurden insbesondere Münzen aus dem Münzkabinett Berlin und aus der Bibliothèque nationale de France sowie die Gipsabdrücke der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften aufgenommen; zudem wurden auch die im Handel erschienenen Münzen berücksichtigt.
Prägeablauf und Metrologie
Die lokale Bronzeprägung lässt sich mit H. Komnick auf den engen Zeitraum zwischen 209 n. Chr. und 212 n. Chr. eingrenzen.6 Nikopolis ad Mestum prägte in zwei Nominalstufen: Alle für Iulia Domna emittierten Münzen werden als Dreier bezeichnet, während sämtliche für Caracalla und Geta geprägten Münzen abweichend von H. Komnick in unserer Datenbank nicht als Vierer, sondern als Fünfer angesprochen werden.
-
Komnick 2003, 9f. ↑
Besonderheiten der Prägung
Auf den Geprägen der Iulia Domna werden ausschließlich Artemis 7 und Nemesis 8 wiedergegeben. Umfangreicher ist das ikonographische Arsenal der für Caracalla geprägten Münzen: Auf den Münzrückseiten werden überwiegend verschiedene Gottheiten und Personifikationen dargestellt, die dem auch in anderen thrakischen Münzstätten üblichen Figurenrepertoire entnommen sind. Aus dem Rahmen fällt lediglich eine Helios-Darstellung, die den Sonnengott mit der Peitsche in der erhobenen Rechten zeigt und in dieser Erscheinungsform in anderen thrakischen Münzstätten offensichtlich nicht bezeugt ist9 Zu den Götterdarstellungen gesellt sich die Abbildung einer vierfach gewundenen Schlange mit einer Strahlenkrone 10 sowie zwei verschiedene Adler-Darstellungen auf einem Altar.11 Zu ergänzen ist weiterhin eine Kaiser-Darstellung, die Caracalla im Kriegsornat mit einer auf einem Globus stehenden Victoriastatuette in der Rechten und dem Zepter in der Linken zeigt12 Auf den für Geta geprägten Münzen werden weitgehend dieselben Bildmotive verwendet; ein Novum stellt lediglich die Darstellung der nach links schreitenden Artemis Phosphoros dar.13
Besonderheiten der Münzprägung
In Nikopolis ad Mestum erfreuten sich vor allem Darstellungen des Ares großer Beliebtheit, der in unterschiedlichen Variationen wiedergegeben wird:14 Neben der Kopfhaltung des Kriegsgottes unterscheiden sich die Ares-Darstellungen auch dahingehend, ob er den Schild in der Hand hält oder ob jener am Boden steht. Ob die Häufigkeit von Ares-Darstellungen auf die lokale Tradition, der zufolge Ares zu den am häufigsten verehrten Göttern Thrakiens zählte, sei dahingestellt. 15
Neben Ares scheint auch Artemis in Nikopolis ad Mestum eine besondere Rolle gespielt zu haben. Sie begegnet in zwei verschiedenen Erscheinungsformen: Am geläufigsten ist die Darstellung der Artemis als Jagdgöttin. Auf den Münzen der Iulia Domna wird sie statisch nach rechts stehend wiedergegeben, hält den Bogen in der Linken und zieht mit der Rechten einen Pfeil aus dem Köcher am Rücken.16 Auf den Geprägen des Caracalla und Geta wird sie nach links eilend dargestellt und hält Pfeil und Bogen in beiden Händen; neben ihr ist ein Hund als ihr distinktives Attributtier zu erkennen. 17 Diese Darstellungsweise ist für die thrakischen Münzstätten Stand unseres Wissens singulär18. Besonderes Interesse verdient aber eine weitere Artemis-Darstellung auf den für Geta geprägten Münzen: Sie ist nach links schreitend wiedergegeben und hält je eine Fackel in ihren Händen; diese Erscheinungsform der Artemis Phosphoros ist ausschließlich in Nikopolis ad Mestum belegt19.
Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.
-
CN-Type11837. Siehe Komnick 2003, 48 ↑
-
CN-Type11829;CN-Type11845. Allgemein zu den Adler-Darstellungen siehe auch Komnick 2003, 42. ↑
-
CN-Type11865. Zu diesem Bildmotiv siehe Komnick 2003, 43. ↑
-
Dazu Komnick 2003, 42 ↑
-
Komnick 2003, 48 ↑
-
Komnick 2003, 43 ↑
Bibliographie
- Komnick 2003 = H. Komnick, Die Münzprägung von Nicopolis ad Mestum, Griechisches Münzwerk (Berlin 2003).
- Petrova 2012 = S. Petrova, Nicopolis ad Nestum/Mestum, in: R. Ivanov, Roman Cities in Bulgaria, Corpus of Ancient and Medieval Settlements in Modern Bulgaria 1 (Sofia 2012) 289–361.