Münzstätten
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- Name: Agathopolis
- Moderner Name: -
- Nomisma-ID: agathopolis
- Nomisma-Region: -
Inhalt
Verknüpfte Datensätze
Topographie und Geschichte
Problematisch ist bis heute die Identifizierung der Lage des antiken Agathopolis/Agathokleia. Neben einer Lokalisierung auf der thrakischen Chersones1 wurde seit längerem eine Lage zwischen Abdera und Maroneia diskutiert und auch eine Gleichsetzung mit dem modernen Achtopol an der Schwarzmeerküste erwogen.2 K. J. Rigsby sieht nicht nur die Identifizierung der Lage der Stadt als problematisch an, sondern zweifelt auch am Namen Agathopolis. Seiner Meinung nach seien die Abkürzungen des Namensanfangs auf Münzen eher sinnvoll zu Agathokleia zu ergänzen.3
Prägesystem und Typologie
Die Zugehörigkeit aller Münzen mit einer Abkürzung ΑΓ/ΑΓΑ/ΑΓΑΘΟ zu einer einzigen Münzstätte ist möglicherweise auf Grund der uneinheitlichen Motive und Gewichte anzuzweifeln. Die meisten der Bronzen tragen auf der Vorderseite einen männlichen Kopf mit kurzem Haar und Diadem nach rechts. Sie sind verbunden mit Rückseiten, die die Legende im Kranz zeigen und eventuell in zwei Gewichtsstufen zu scheiden sind;4 weiterhin mit Rückseiten mit einer Eule,5 die zwei verschiedene Gewichtsstufen haben; und mit Reversen mit einer doppelköpfigen Eule einer Gewichtsstufe.6 Außerdem werden sie mit einer geflügelten Protome7 sowie einem Kerykeion8 auf der Rückseite verbunden. Vom Typ mit der Legende im Kranz gibt es auch eine barbarisierte Variante.9
Ferner gibt es Münze, die anstelle des Porträts auf der Vorderseite ein Monogramm haben10 und über die Rückseiten mit Kranz und Legende mit den Münzen mit den männlichen Köpfen verbunden sind.11 Das Monogramm lässt sich zu ΑΓΑΘΟ auflösen und diese Münzen werden von S. Psoma und K. Chryssanthaki-Nagle als Chalkoi angesprochen. Exemplare wurden in Maroneia und Abdera gefunden,12 weisen also auf einen thrakischen Herstellungsort. K. Chryssanthaki-Nagle nimmt ihre Herstellung in Maroneia an, das von Lysimachos zeitweilig zu Ehren seines Sohnes in Agathokleia umbenannt wurde. Auf Grund der Grabungsfunde von Maroneia werden weitere Bronzen mit maroneischen Motiven (Pferdeprotome/Traube) und der Legende ΑΓ/ΑΓΑ dieser Phase der Umbenennung zugeschrieben.13
Auf Grund der zahlreichen Unwägbarkeiten in Verbindung mit ΑΓ/ΑΓΑ gezeichneten Münzen kommt es v.a. im Münzhandel zu Zuweisungen sonst nicht genau lokalisierbarer Münzen.14 Wie unter anderem O. Tekin und A. Erol ÖzdIzbay ausführen, ist aber damit zu rechnen, dass mehrere Orte kurzzeitig umbenannt wurden, und so sind nicht alle so gezeichneten Münzen unbedingt dem thrakischen Agathokleia zuzuweisen.15
Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.
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CN_Type6414. Dieser Typ allerdings bei H.-J. Bloesch, Griechische Münzen in Winterthur 2 (1997) Nr. 2516a Agathokleia in Mysien zugewiesen. ↑
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CN_Type7769 und CN_Type6417. Letzterer ähnelt stark den Typen von Ainos in Bronze. Eine Zuweisung zu Agathopolis/Agathokleia muss unklar bleiben. Diese erfolgt auf Grund der Zuordnung im Münzkabinett Berlin. ↑
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Chryssanthaki-Nagle 2005, 47–50. ↑
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Psoma 2008, 207. ↑
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cn.Maroneia.2458. In CN unter Maroneia, da auch bei E. Schönert-Geiss, dort fälschlich mit Legende MA. ↑
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z.B. https://www.acsearch.info/search.html?id=4947828 (Herakleskopf/Adler, nach RPC IV online 9948 temporary aber Thyatira in Lydien, s. https://rpc.ashmus.ox.ac.uk/search/browse?q=9948) oder: https://www.acsearch.info/search.html?id=3665612 (Kopf der Athena r./unklares Motiv). Kopf/Kranz aber nur A bzw. undeutlicher Buchstabe z.B. https://www.acsearch.info/search.html?id=3181659 und https://www.acsearch.info/search.html?id=6107138. ↑
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Tekin – Özdlzbay 2011 and Tekin 2019 with discussion of further locations, especially in Mysia and Ionia for the reverse with owls. ↑
Bibliographie
- Borrell 1841–1842 = H.P. Borrell, Unedited Autonomous and Imperial Greek Coins, Numismatic Chronicle 4, 841–1842, 1–11.
- Chryssanthaki-Nagle 2005 = K. Chryssanthaki-Nagle, Les bronzes au monogramme [A], Revue numismatique 161, 2005, 47–50.
- Psoma 2008 = S. Psoma - C. Karadima - D. Terzopoulou - M. Tassaklaki - V. Psilakakou, The Coins from Maroneia and the Classical City at Molyvoti : A Contribution to the History of Aegean Thrace (Athen 2008), 207–211.
- Psoma 2009 = S. Psoma, Agathocles Son of Lysimachos in Thrace and Asia Minor. The Numismatic Evidence, in O. Tekin (Hg.), Ancient History, Numismatics and Epigraphy in the Mediterranean World. Studies in Memory of Clemens E. Bosch and Sabahat Atlan and in Honour of Nezahat Baydur (Istanbul 2009), 309–320.
- Rigsby 2005 = K.J. Rigsby, Agathopolis and Doulopolis, in: Epigraphica Anatolica 38, 2005, 109–112.
- Stancomb 1998 = W. M. Stancomb, Agathopolis: A Mint on the Black Sea Coast, in: R. Ashton - S. Hurter (Hrsg.), Studies in Greek Numsimatics in Memory of M.J. Price, 1998, 335–338.
- Tekin 2011 = O. Tekin - A. Erol ÖzdIzbay, Two Numismatic Examples for a Certain Agathoclea / Agathopolis, in: H. Sahin u.a. (Hrsg.), Studies Presented to Mehmet and Nesrin Ozsait (Istanbul, 2011) 393–396.
- Tekin 2019 = O. Tekin, Agathocles and Adramyteum, in: B. Öztürk et al. (eds.), Essays in Memory of Filiz Dönmez-Öztürk. Recent Work on the Archaeology, Epigraphy and Ancient History of Anatolia (Istanbul, 2019) 573–588.