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Die Münztypologie von

Madytos

Topographie und Geschichte

An der Ostküste der thrakischen Chersonesos, dem schmalsten Punkt des Hellespont, gelegen1 , hatte Madytos einen günstigen Hafen2 und ist wohl mit dem heutigen Eceabat zu identifizieren.3 Ursprünglich eine Gründung der Äolier aus Lesbos im 7. Jh. v. Chr.4 wurden im späten 6. Jh. v. Chr. auch Athener hier angesiedelt. Im Peloponnesischen Krieg spielte Madytos wohl eine Rolle als Getreidelieferant für die athenischen Truppen und als Stützpunkt für die athenische Flotte.5

Madytos erscheint mit den anderen Städten der Chersonesos gemeinsam in den Tributlisten von 453–447 v. Chr., zahlte 442–439 v. Chr. nur 500 Drachmen und 434-420 v. Chr. 2000 Drachmen.6

  1. Ps. Skylax 67; Hdt. VII 33. ↑

  2. Xen. Hell. I 1,3; Liv. XXXIII 38,9. ↑

  3. Isaac 1986, 194. ↑

  4. Ps. Skyl. 67, Ps.-Skymn. 709; Strab. 7, fr. 55. ↑

  5. Xen. hell. 1,1,3. ↑

  6. Isaac 1986, 194. ↑

Prägesystem und Typologie

Madytos prägte eine kleine Bronzeserie wohl wie die anderen Orte der Chersonesos um die Mitte des 4. Jhs. v. Chr. Ein einziges Exemplar einer Silberprägung der Stadt ist überliefert.7 Es zeigt dieselben Motive wie die Bronzen und ist wohl wie diese in die Mitte des 4. Jhs. v. Chr. zu datieren. Eine Münzprägung aus römischer Zeit ist bislang nicht bekannt.

Die vorherrschenden Münzbilder von Madytos sind ein stoßender Stier (nach rechts oder links) auf den Münzvorderseiten in Kombination mit einem sitzenden Hund nach rechts (und einmal nach links) auf den Rückseiten. Der Hund symbolisiert wohl das Kynossema und bezieht sich auf das Grab der Hekabe. Dieses soll sich in der Nähe von Madytos befunden haben. Hekabe, die Frau des Priamos und Mutter des Paris sowie des Hektor, wurde von Odysseus aus Troja verschleppt. Um Odysseus nicht als Sklavin dienen zu müssen, stürzte sie sich bei der thrakischen Chersonesos von seinem Schiff ins Meer. Dabei verwandelte sich Hekabe in einen Hund und starb. An Land errichtete man ihr an dieser Stelle, in der Nähe der Stadt Madytos, ein Grabmal in Form eines Hundes. Dieses diente Seeleuten als Orientierungspunkt und ist auf den Rückseiten der Bronzemünzen der Stadt abgebildet.

Begleitet werden diese beiden Hauptbilder von diversen Beizeichen und bislang einmal von einem Monogramm.8 Oft ist das Beizeichen eine Ähre, die allgemein auf Prägungen der Chersonesos dieser Zeit häufig Verwendung findet und wohl auf den Kornreichtum der Halbinsel hinweist. Diese Beizeichen und das Monogramm sind typbildend. Regelhaft ist auf den Rückseiten ΜΑΔΥ beigeschrieben. Bislang sind zwei Typen bekannt, die von diesem Bildschema abweichen: Ein wohl gleichzeitig zur beschriebenen Bronzeprägung entstandener Typ zeigt einen Athenakopf auf der Vorderseite und das übliche Hundemotiv auf der Rückseite.9 Ein weiterer Typ mit einem Frauenkopf nach links auf der Vorderseite, der als Hekabe interpretiert werden kann, bildet auf der Rückseite eine Leier ab.10 Nach der Ansicht von F. Imhoof-Blumer ist dieser Typ später geprägt worden als die restliche Serie; er ist eventuell ins 2. Jh. n. Chr. oder später zu datieren.11

Die überlieferte Silbermünze wiegt 2,4 g und ist eventuell als attischer Triobol zu interpretieren.12 Die Bronzemünzen zeigen drei unterschiedliche Gewichts- und Durchmesserklassen, das größte Nominal bewegt sich zwischen 20 und 21 mm und wiegt zwischen 6 und 8,5 g, das mittlere zwischen 15 und 16 mm und zwischen 3 und 5 g und das kleine zwischen 12 und 14 mm und 2 und 3 g.13

Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.

  1. CN_Type8142. ↑

  2. CN_Type8158. ↑

  3. CN_Type8153. ↑

  4. CN_Type8151. ↑

  5. Imhoof-Blumer 1885, 129; Hoover 2017, 124, 2. Jh. v. Chr. oder später. ↑

  6. Hoover 2017, 124. ↑

  7. Vgl. Hoover 2017, 124. ↑

Bibliographie

  • Hoover 2017 = O. D. Hoover, Handbook of Coins of Macedon and Its Neighbors. Part II: Thrace, Skythia, and Taurike, Sixth to First Centuries BC (The Handbook of Greek Coinage Series, Volume 3) S. 123–124.
  • Imhoof-Blumer 1885 = F. Imhoof-Blumer, Beiträge zur griechischen Münzkunde, Zeitschrift für Numismatik 13, 1885, S. 129, Nr. 4 Taf. 4,2.
  • Isaac 1986 = B. H. Isaac, The Greek Settlements in Thrace Until the Macedonian Conquest (Leiden), S. 194.
  • Schönert-Geiss 1999 = E. Schönert-Geiss, Bibliographie zur antiken Numismatik Thrakiens und Mösiens (Berlin), S. 1477–1481.

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