Münzstätten

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Die Münztypologie von

Dikaia

Topographie und Geschichte

Über das thrakische Dikaia herrschen einige Unklarheiten: Weder ist bekannt, von wem es gegründet wurde, noch ist es genau lokalisiert.1 Seine Nähe zu Abdera ist schriftlich bezeugt wie auch seine Lage am See Bistonis.2 Auch in der Münzprägung zeigen sich Parallelen zu den Nachbarstädten Abdera und Maroneia. Weiterhin erscheint die Stadt in den Tributlisten, wo sie mit 3000 Drachmen verzeichnet ist und Dikaia „par’Abdera“ genannt wird.3

  1. Pantos 1986. ↑

  2. Strabo VII fr. 46, heute Vistonida-See. ↑

  3. Isaac 1986, 109-111. ↑

Forschungsstand

Erstmals wurde die nicht umfangreiche Prägung von J.M. F. May 1965 bearbeitet.4 Er stellte die bekannten Münzen als Stempelstudie vor, wobei er zahlreiche Münzen berücksichtigte, die in ihren Sammlungen oder bisherigen Publikationen Selymbria zugewiesen waren. E. Schönert-Geiss legte 1975 eine Stempelstudie des thrakischen Dikaia im Rahmen eines Münzwerk-Bandes vor. Darin unternahm sie auch eine Abgrenzung zu den Stücken des makedonischen Dikaia.5 Die Zuweisung an das thrakische Dikaia durch May und Schönert-Geiss beruht darauf, dass alle Prägungen dieser Stadt einen Herakles-Kopf zeigen und nur Prägungen mit Hahn, die mit diesem Motiv kombiniert sind oder das Ethnikon tragen, dem thrakischen Dikaia zugeordnet werden. Im Rahmen ihrer Überprüfung der Münzfüße von Thrakien behandelte S. Psoma auch die Prägung von Dikaia, welche sie in ihrer ersten Phase dem reduzierten äginetischen Standard und in der 2. Phase dem reduzierten chiotischen Standard zuweist. Ebenso nahm sie eine Neudatierung vor: Die 1. Phase legt sie in das späte 6. Jh. v. Chr., die 2. Phase in das beginnende 5. Jh. v. Chr.6

  1. May 1965. ↑

  2. Schönert-Geiss 1975, 15–31. ↑

  3. Psoma 2015. ↑

Prägesystem und Typologie

Als älteste Prägung aus dem späten 6. Jh. v. Chr. ist der Stadt wohl eine Elektron-Hekte zuzuweisen.7 Wie die etwas späteren Silberprägungen zeigt sie auf der Vorderseite einen Herakles-Kopf. Das Motiv des Herakles wird durch die Lage der Stadt am See Bistonis erklärt, welcher von Herakles im Rahmen seiner thrakischen Taten gegraben worden sein soll.

Neben dieser exzeptionellen Elektronprägung, gab die Stadt eine kleine Serie von Silbermünzen heraus.8 Datierung und Münzfuß der dikaischen Prägungen unterliegen einer andauernden Diskussion in der numismatischen Literatur.9 Einigkeit besteht darin mindestens zwei Prägeperioden zu differenzieren; wobei die erste Periode auf der Vorderseite den Herakleskopf unter gelegentlicher Nennung einer Abkürzung des Ethnikons und die Rückseite ein Quadratum Incusum zeigt, während die zweite auf beiden Seiten figürliche Motive wiedergibt: weiterhin den Herakleskopf, zudem eine Rinderprotome10 und einen Hahn sowie unregelmäßig das abgekürzte Ethnikon. E. Schönert-Geiss setzte die erste Prägeserie in die Jahre 540/535-492/490 v. Chr. und die zweite im Anschluss daran 492/490 bis 476/475 v. Chr. Diese Datierung wurde u.a. von S. Psoma herabgesetzt und die erste Prägeperiode ins ausgehende 6. Jh. v. Chr., die 2. Periode in das beginnende 5. Jh. v. Chr. datiert, wobei einige Kleinmünzen bis in die 430er Jahre zurückreichen.

In der 1. Phase der Silberprägung ist das schwerste Nominal ein Distater mit einem Gewicht um die 19 g, gefolgt von Stateren unter 10 g und zwei kleineren Nominalen um die 2,8 g und 1,9 g. Der Münzfuß wird von E. Schönert-Geiss als thrako-makedonischer der 1. Gewichtsserie bestimmt, während S. Psoma ihn als reduzierten äginetischen Standard bezeichnet.11 Wie Abdera und Maroneia wechselt Dikaia in der zweiten Prägeperiode zu einem anderen Standard, von E. Schönert-Geiss als 3. Gewichtsserie des thrako-makedonischen Münzfußes bezeichnet, dessen größtes Nominal um die 7,3 g wiegt. Dieser Standard wird von S. Psoma als reduzierter chiotischer Münzfuß gedeutet.12

Bis auf die beiden größten Nominale der 1. Phase, welche in großen Hortfunden auftauchen, beschränken sich die Funde dikaischer Münzen auf das Territorium um die Städte Dikaia, Maroneia und Abdera, welche auch im selben Münzfuß prägten.13

Durch die Existenz eines zweiten makedonischen Dikaia ergeben sich zahlreiche Unsicherheiten in der Zuweisung von Münzen. Ob das thrakische Dikaia etwa Bronzen prägte, welche einen Herakleskopf auf der Vorderseite und einen Rinderkopf mit der Legende ΔΙΚΑΙΑ auf der Rückseite zeigen, muss unklar bleiben.14 Weiterhin kamen unter anderem bei den Ausgrabungen des antiken Stryme sowie von Maroneia I auf der Halbinsel Molyvoti Silbermünzen zu Tage, die teilweise dem thrakischen Dikaia zugewiesen werden, was deren Fundorte wahrscheinlich machen.15 Deren Motive sind Löwinnenkopf en face/quadratum incusum,16 Rinderkopf nach rechts/Trauben im quadratum incusum17 und Löwinnenkopf en face/Traube im quadratum incusum.18 Diese für Dikaia eher ungewöhnlichen Motive können über Parallelexemplare in der Alpha Bank Athen mit der Aufschrift ΔΙΚΑΙ einer Münzstätte Dikaia zugewiesen werden, wobei die Fundorte auf Molyvoti das thrakische Dikaia etwas wahrscheinlicher machen als das makedonische.19

Unser Typenkatalog repräsentiert den Forschungsstand von August 2019 und berücksichtigt keine erst später bekannt gewordenen Münztypen. Weitere Hinweise, insbesondere zu neuen Typen, sind jederzeit willkommen.

  1. Wartenberg 2016; Tzamalis 2000. ↑

  2. Verwechslungsgefahr besteht einerseits mit dem makedonischen Dikaia; die Zuweisung von Münzen an das thrakische oder makedonische Dikaia ist häufig umstritten. Andererseits mit Prägungen von Selymbria, welches ebenfalls das Motiv des Hahns als Münzbild verwendet. ↑

  3. May 1965; Schönert-Geiss 1975; Psoma 2015. ↑

  4. May 1965 sieht eine Verbindung zu Samos. ↑

  5. Neben den in der CN-Datenbank aufgeführten Nominalen, s. Psoma 2015, Anm. 124: „There is a considerable number of small fractions of Dikaia-by-Abdera, obols and hemiobols with a variety of types, in private collections.“ ↑

  6. Psoma 2015. ↑

  7. Psoma 2015, 28. ↑

  8. Dagegen: Schönert-Geiss, 16 Anm. 1. Dafür: Psoma 2008, 11 mit Fund einer solchen Bronze auf der Molyvoti-Halbinsel. Im Katalog der Lindgren Collection II, Nr. 1051 dem makedonischen Dikaia zugeordnet, aber in SNG Greece 7 Nr. 313 unter dem thrakischen Dikaia aufgeführt. ↑

  9. Psoma 2008, 10-11, PM23-25. ↑

  10. Psoma 2008, 10 PM 23, Hemiobol? Terzopoulou 2003, 14, Gruppe II.1–2. ↑

  11. Psoma 2008, 10 PM 24 ¾ Obol. Ein Vergleichsexemplar mit denselben Motiven in der Alpha Bank Athen trägt die Legende ΔΙΚΑΙ. Terzopoulou 2003, 12, Gruppe I.1–2. ↑

  12. Psoma 2008, 11, PM 25 Hemiobol? Terzopoulou 2003, 14, Grippe II.3. ↑

  13. Diese Typen wurden bislang noch nicht in unsere Datenbank aufgenommen. Weiterhin gibt es in der Literatur und in Auktionskatalogen teils Unklarheiten in der Zuweisung mancher Typen (Hahn/Herakleskopf) zu Dikaia oder Selymbria und es werden Münzen mit dem Motiv eines Hahnes Dikaia zugeteilt, z.B. Hahn/Pferdekopf im quadratum incusum. ↑

Bibliographie

  • Arrington 2016 = N. T. Arrington - M. L. Lawall - D. Terzopoulou u.a.: Molyvoti, Thrace, Archaeological Project. 2013 Preliminary Report, Hesperia 85, 1–64.
  • Gaebler 1935 = H. Gaebler, Die antiken Münzen von Makedonia und Paionia, Die antiken Münzen Nord-Griechenlands Vol. III. Macedonia and Paionia. (Berlin 1935).
  • Isaac 1986 = B. H. Isaac, The Greek Settlements in Thrace Until the Macedonian Conquest (Leiden1986).
  • May 1965 = J. M. F. May, The Coinage of Dikaia-by-Abdera c.540/35 - 476/5 B.C., Numismatic Chronicle 5, 1965, 1–25.
  • Pantos 1986 = P. A. Pantos, Archäologische Topographie von Dikaia bei Abdera und Stryme, VII.-V.Jh.v.Chr. Der heutige Forschungsstand, in: Thracia Pontica, 3. Les Thraces et les colonies grecques, VII - V s. av. n.è. Troisième symposium international, Sozopol, 6–12 octobre 1985. (Sofia 1986) 109–127.
  • Price 1975 = M. J. Price – N. M. Waggoner, Archaic Greek Silver Coinage (London 1975), 37 f.
  • Psoma 2008 = S. Psoma, - C. Karadima - D. Terzopoulou - M. Tassaklaki - V. Psilakakou. The Coins from Maroneia and the Classical City at Molyvoti : A Contribution to the History of Aegean Thrace (Athen 2008), 10–11.
  • Psoma 2015 = S. E. Psoma. Did the So-Called Thraco-Macedonian Standard Exist?, in: Ute Wartenberg – Michel Amandry (Hrsg.), ΚΑΙΡΟΣ: Contributions to Numismatics in Honor of Basil Demetriadi (New York 2015), 167–190.
  • Schönert-Geiss 1975 = E. Schönert-Geiss: Die Münzprägung von Bisanthe, Dikaia, Selymbria. (Berlin 1975) V, 62 S., Taf. (Griechisches Münzwerk. Schriften zur Geschichte und Kultur der Antike, 13).
  • Terzoupoulou 2003 = D. Terzopoulou, Small Silver Fractions from Ancient Stryme, Nomismatika Khronika 22, 2003, 9–30.
  • Tzamalis 2000 = A. Tzamalis, Some of the Acquisitions of the Alpha Bank During 2000, Νομισματικά Χρονικά 19, 2000, 28–37.
  • Voutiras 2008 = E. Voutiras, La réconciliation des Dikaiopolites. Une nouvelle inscription de Dikaia de Thrace, colonie d'Erétrie, CRAI, 2008, 781–792.
  • Wartenberg 2016 = U. Wartenberg, Die Geburt des Münzgeldes: Die frühe Elektronprägung, in: Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft 56, 2016, 30–49.

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