Münzstätten

    • Name: Pergamon
    • Moderner Name: Bergama
    • Nomisma-ID: pergamum
    • Nomisma-Region: mysia

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Die Münztypologie von

Pergamon

Topographie und Geschichte

Pergamon — heute Bergama in der türkischen Provinz Izmir — war eine der bedeutendsten Städte der antiken Welt, und seine Topographie zählt zu den eindrucksvollsten aller klassischen Stätten. Die Stadt erstreckte sich über einen steilen, kegelförmigen Hügel, der sich auf etwa 330 Meter über die Schwemmebene des Kaikos (türkisch: Bakırçay) erhebt, während die Ägäisküste rund 25 Km westlich liegt. Diese beherrschende natürliche Höhenlage prägte alle Aspekte der Stadtplanung und verlieh der Siedlung einen imposanten Charakter gegenüber der umliegenden Landschaft.

Die Akropolis an der Kuppe bildete das politische, religiöse und dynastische Herz der Stadt, insbesondere während der hellenistischen Epoche unter der Attalidendynastie. Anstatt einem konventionellen Raster auf ebenem Gelände zu folgen, schufen die Architekten Pergamons ein ausgeklügeltes System künstlicher Terrassen, die in den Hang eingeschnitten wurden. Jede Terrasse beherbergte einen bedeutenden öffentlichen Bau: den Königspalast und das Arsenal im nördlichen Bereich, darunter den großen Altar und die berühmte Bibliothek, und auf einer markanten mittleren Terrasse das Heiligtum der Athena Nikephoros. Das Theater, eines der steilsten der Antike, war direkt in den Westhang gehauen und bot etwa zehntausend Zuschauern Platz. Bauten und Fassaden waren nach Westen ausgerichtet, um ihre Sichtbarkeit weit über die Ebene hinaus zu gewährleisten — ein bewusstes Zeichen attalidischer Machtentfaltung.

Die Unterstadt erstreckte sich die Hänge hinab und über den Talboden, und wuchs unter römischer Herrschaft nach 133 v. Chr. erheblich, als Attalos III. das Königreich Rom vermachte und Pergamon zur Hauptstadt der neuen Provinz Asia wurde. Etwa drei Kilometer südwestlich, jenseits des Selinustals, lag das Asklepieion — eines der berühmtesten Heiligtümer und Heilzentren der Antike. Ein gesonderter Felssporn im Nordwesten beherbergte ein Heiligtum der Kybele. Die Wasserversorgung — auf solcher Höhe stets eine Herausforderung — wurde durch ein bemerkenswertes Druckleitungssystem gelöst, das Quellen rund 40 Km entfernt in den Madra-Bergen anzapfte und unter den Römern durch Fernaquädukte aus dem Kozak-Gebirge ergänzt wurde.

Pergamon wurde 2014 als herausragendes Beispiel hellenistischer und römischer Stadtplanung im Einklang mit der natürlichen Topographie in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Prägesystem und Typologie

Die Münzgeschichte Pergamons spiegelt die politische Geschichte der Stadt eng wider und lässt sich in mehrere klar umrissene Phasen gliedern, die den Aufstieg und die Wandlung der Attalidenmacht nachzeichnen.

Die Anfänge der Münzprägung gehen auf Lysimachos zurück, der die Region Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. beherrschte und in Pergamons Zitadelle einen gewaltigen Schatz verwahren ließ. Als sein Schatzmeister, der Eunuch Philetairos, um 282 v. Chr. die Seiten wechselte und sich dem Rivalen Seleukos zuwandte, begann er schließlich, Silbertetradrachmen im attischen Gewichtsstandard unter eigenem Namen zu prägen. Diese als Philetairoi bekannten Münzen wurden zum prägenden Typ der frühen attalidischen Münzstätte: Die Vorderseite zeigte das Porträt des Philetairos, die Rückseite Athena thronend, den Dynastienamen mit einem Kranz krönend. Bemerkenswert ist, dass dieses Porträt noch lange nach dem Tod des Philetairos auf Pergamenischen Tetradrachmen erschien — unter Eumenes I. und Attalos I. —, was der Prägung dynastische Kontinuität und Propagandawirkung verlieh. Attalos I., der um 241 v. Chr. nach seinem Sieg über die Galater als erster den Königstitel annahm, ließ diesen Titel jedoch nicht auf seinen Münzen erscheinen.

Die folgenreichste Entwicklung in der pergamenischen Numismatik vollzog sich unter Eumenes II. (197-159 v. Chr.), der den Cistophor-Tetradrachmen einführte — eine Münze, die die Geldlandschaft Westkleinasiens für die nächsten drei Jahrhunderte prägen sollte. Mit einem Gewicht von rund 12.6 Gramm, ca. 25% leichter als der herkömmliche attische Tetradrachme, trug der Cistophor auf der Vorderseite eine Cista mystica und auf dem Rückseite einen Köcher, flankiert von zwei sich windenden Schlangen. Das Design verzichtete auf das Herrscherporträt und trug städtische statt königliche Kennzeichen, was den Eindruck gemeinsamer regionaler Autorität im gesamten Attalidenstaat erweckte. Die Münze wurde bewusst leichter geprägt, um als geschlossene Währung zu fungieren — ausländisches Silber sollte aus dem Währungssystem des Königreichs ferngehalten werden. Cistophoren wurden an mehreren Münzstätten im attalidischen Herrschaftsgebiet geprägt und kursierten noch weit in die römische Kaiserzeit hinein; Kaiser Hadrian ließ sie noch im 2. Jh. n. Chr. ausgeben.

Die Bildelemente des Cistophors — Schlangen, Köcher und Cista — griffen auf Assoziationen mit Dionysos und Herakles zurück, Göttern, von denen die Attaliden ihren Ursprung ableiteten; letzterer galt als Vater des Telephos, des sagenhaften Stadtgründers Pergamons. Diese mythologischen Bezüge bildeten einen roten Faden in der pergamenischen Bildsprache.

Nachdem Rom das Königreich 133 v. Chr. erbte, beteiligte sich Pergamon am System der römischen Provinzialprägung und gab Bronzemünzen heraus, die kaiserliche Bildnisse mit lokalen religiösen und mythologischen Motiven verbanden — darunter weiterhin Verweise auf Athena und die Gründungslegenden der Stadt.

Karte der Münzstätten mit Typologie


Legende
Münzstätte
Fund
Fundort