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Über das Projekt

Das Corpus Nummorum Online ist ein Webportal, in dem die antiken Münzen von vier historischen Landschaften – Moesia inferior, Thrakien, Mysien und der Troas – erfasst werden. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt zur Erschließung der antiken griechischen Münzprägung nach Regionen und Münzstätten für die verschiedenen Zwecke der Forschung und des Kulturerhalts.

Die Forschungsdatenbank zur Sammlung und Kategorisierung basiert auf den im Berliner Münzkabinett vorhandenen Materialbeständen der ca. 104 Münzstätten in diesen Regionen sowie der Sammlung von Gipsabgüssen an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), die von Münzen dieser Prägestätten aus zahlreichen und heute teilweise verschollenen Sammlungen hergestellt wurden. Daneben werden digitale Museumskataloge integriert und weitere Bestände erfasst. Im Sinne von public science bietet die Datenbank ferner die Möglichkeit, durch die externe Eingabe von Münzen das Portal zu bereichern.

Die Datenbank erlaubt die wissenschaftliche Klassifizierung der einzelnen Münzen: entsprechend können die zur Prägung benötigten Stempel zugewiesen oder die Münzen zu Typen gruppiert werden. Typen können gegebenenfalls in Subtypen unterteilt oder auch zu größeren Gruppen (Serien/Emissionen) zusammengefasst werden.

In dem Portal sind alle Münzen vollumfänglich in Deutsch und Englisch (und zunehmend auch in Bulgarisch) wissenschaftlich beschrieben. Sowohl für die Münz- als auch für die Typbeschreibungen der Münzbilder wurden einheitliche Kriterien entwickelt, die eine Standardisierung erlauben (vgl. dazu auch die Beschreibungsrichtlinien für die Aufnahme von Münzen unter dem „Hilfe-Button“). Das Portal entsteht in enger Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Anstrengungen unter der Schirmherrschaft des Internationalen Numismatischen Rates zur typologischen Erschließung der griechischen Münzen im Semantic Web (https://www.greekcoinage.org/). Alle relevanten Felder in der Datenbank sind mit Normdaten verknüpft (www.nomisma.org).

Das Portal wird von drei Einrichtungen getragen: der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Big Data Lab der Universität Frankfurt a. M. Es wurde bislang über verschiedene Drittmittelprojekte finanziert. Entsprechend der Einzelprojekte gibt es im Datenumfang und der Erfassungstiefe Unterschiede bei den einzelnen Regionen, das übergreifende Ziel ist aber stets, für die jeweiligen Prägungen Typenkataloge zu erstellen.

Thrakien


In einer ersten dreijährigen Förderphase ab Januar 2013 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Ausschreibung: „Erschließung und Digitalisierung von objektbezogenen wissenschaftlichen Sammlungen“ wurden über 26.000 Gipsabgüsse thrakischer Münzen (= rund 14.000 Münzen) aus unterschiedlichen Sammlungen gescannt und der Bestand der über 3.600 thrakischen Münzen des Münzkabinetts Berlin (https://ikmk.smb.museum/home?lang=de) erfasst. Letztere wurden im Interaktiven Katalog des Berliner Münzkabinetts publiziert. Für die wissenschaftliche Bestimmung und Klassifizierung der Münzen wurde das Webportal www.corpus-nummorum.eu entwickelt und darin in der ersten Förderphase über 7.000 Münzen standardisiert beschrieben und in den meisten Fällen auch die für ihre Herstellung verwendeten Stempel erfasst.

Im Zusammenhang mit einer weiteren, dreijährigen Förderphase innerhalb der Ausschreibung „Forschungsdaten in der Praxis“ (im Rahmen des LIS Förderprogramms „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“ der DFG) entstand seit 2017 eine Typologie der thrakischen Prägungen. Dafür haben wir neben den bereits erfassten Münzen gezielt nach Belegen für weitere Typen in allen zugänglichen Sammlungen gesucht, um in unserem Portal ein möglichst komplettes Typenreservoir der thrakischen Prägungen als online-Bestimmungskatalog bieten zu können. Die Typen erhalten versionierte Editionsnummern, die gegebenenfalls nötige Aktualisierungen erlauben. Für die einzelnen Prägestätten und die Herrscher- und Stammesprägungen wurden Überblicke zur Typologie verfasst, die im Portal publiziert wurden und die mit den Typen verknüpft sind.

In der aktuellen Projektphase, die seit Juli 2021 von der DFG im Förderprogramm „e-Research-Technologien“ (Phase: Implementierung) finanziert wird, wollen wir Forschungswerkzeuge für die Numismatik etablieren, die auch für andere Objektgattungen, die Träger von Bild und/oder Schrift sind und in großer Stückzahl vorliegen, geeignet sind. Dabei geht es a) um Methoden des Natural Language Processing (NLP) bei mehrsprachigen und nicht standardisierten Münzbeschreibungen und deren Verknüpfung mit einem hierarchischen ikonographischen Thesaurus sowie b) um die Bilderkennung von Einzelelementen und Gesamtkompositionen mit Hilfe von Deep Learning, einem Teilbereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Für den Ausbau und die Weiterentwicklung dieser Werkzeuge ist eine Erhöhung der Datenmenge notwendig, die über die Erschließung ausgewählter Bestände des Lübke-Wiedemann Fotoarchivs im Münzkabinett Berlin erreicht werden soll. Die Typologie für Thrakien wird vervollständigt und mit mehr Material angereichert. Mit Hilfe der Verfahren und insbesondere aus einer Kombination von NLP und Bilderkennung soll zukünftig auch das bereits im Internet digitalisierte Material weitgehend automatisch den Typen zugewiesen werden. Ferner zielt das Projekt auf die Implementierung von Qualitätskontrollen auch unter Einbezug der genannten Verfahren, die bei den großen Datenmengen die wissenschaftliche Qualität sicherstellen sollen, wovon ebenfalls weitere Projekte profitieren können. Durch die Bereitstellung der verwendeten Datensätze und unserer Ergebnisse im Bereich des Deep Learnings wird die Möglichkeit für andere Informatiker*innen geboten, die Daten/Ergebnisse als Benchmark für neue Ansätze auszuprobieren.

Moesia inferior, Mysien und Troas


Das im Rahmen der Ausschreibung „Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes – eHeritage (Bekanntmachung 1197)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom Juli 2018 bis Juni 2021 geförderte Projekt „Corpus Nummorum Online – die antiken griechischen Münzen von Moesia inferior, Mysien und der Troas“ hingegen erlaubte zunächst die Digitalisierung des Bestandes an originalen Münzen im Berliner Kabinett und der Münzen dieser antiken Regionen, die in Form von Gipsabgüssen in der Akademie gesammelt wurden (insgesamt ca. 23.500 Münzen). Um auch für diese Prägungen Typenkataloge zu erarbeiten, wird das vorhandene Material nach Typen strukturiert und diesen die einzelnen Belegexemplare zugewiesen. Die Münzen werden mit ihren Provenienznachweisen und metrologischen Daten erfasst und mit den standardisierten typologischen Bild- und Legendenbeschreibungen ausgezeichnet. Auf diese Weise entsteht ein wichtiger Grundstock für die Typenkataloge dieser Regionen, der selbstverständlich ergänzt werden muss. Dies kann fortlaufend geschehen, da wir für alle vier Regionen Münzen anderer Sammlungen importieren und klassifizieren können bzw. jeder angemeldete Nutzer auch seine eigenen einschlägigen Münzen hochladen und sie so der Forschung zur Verfügung stellen kann.

Zusammenfassung


Während wir für Thrakien gezielt Münzen ergänzen, konzentrieren wir uns für Niedermösien, Mysien und die Troas zunächst vorrangig auf das in Berlin versammelte Material. Die konsequente Nutzung von Linked Open Data und die Verknüpfung mit Normdaten ermöglichen den leichten Austausch mit weiteren Sammlungen.

Die Suche ist sowohl im übergreifenden Portal möglich, kann aber auch regional auf den Unterseiten zu Thrakien, Moesia inferior, Mysien oder der Troas erfolgen. Für weitere Abfragen https://www.corpus-nummorum.eu/sparql/.

Für die Hilfe, Unterstützung und Mitarbeit danken wir den Fördereinrichtungen, unseren Institutionen und allen Mitwirkenden!